Atomkrise: Japans Regierung bestellt Kraftwerksbauer ein

Atomkrise
Japans Regierung bestellt Kraftwerksbauer ein

Die Erbauer der Atomkraftwerke müssen sich erklären: Japans Premierminister Naoto Kan will den Chef des Elektrokonzern Toshiba heute befragen, wie es zu der Krise kommen konnte.
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Nagoya

Japans Premierminister Naoto Kan hat am Sonntagmittag den Chef des Elektrokonzern Toshiba, Norio Sasaki, in sein Büro einbestellt. Die Kernkraftsparte von Toshiba war seinerzeit an Bau und Ausstattung des Unglückskraftwerks Fukushima in Nordostjapan beteiligt. Kan hat von dem Unternehmen maximale Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Krise verlangt.

Zuvor hatte Kan bereits mit dem Chef des Energieversorger Tokyo Electric Power (Tepco) konferiert. Tepco ist schon seit Jahrzehnten für seine intransparente Informationspolitik gegenüber Öffentlichkeit und Behörden bekannt. Auch während der sich entwickelnden Katastrophe seit dem Erdbeben am Freitag kamen Details zum Zustand der Problemreaktoren nur spärlich und verklausuliert.

Da Tepco aus Block zwei des Kraftwerks Fukushima Daiichi am Sonntagvormittag erstmals radioaktiven Dampf abgelassen hat, stiegen die Strahlenwerte in der Umgebung der Anlage deutlich an. Nach offiziellen Angaben besteht jedoch für die Einsatzkräfte noch keine erhöhte Gefahr. Anwohner bezweifeln jedoch, ob die Lage nicht doch kritischer ist, als die Verlautbarungen vermuten lassen. "Wir fragen und langsam, ob wir jemals nach Hause zurück können", sagt eine evakuierte Anwohnerin dem TV-Sender FNN. "Vielleicht müssen wir auch noch weiter fliehen", sagt die Mutter zweier Kinder.

Bisher ist der Zwischenfall in den Blöcken eins und zwei des Kraftwerks Fukushima Daiichi jedoch auf die engere Umgebung begrenzt. In angrenzenden Präfekturen wie Ibaraki fielen Strahlenmessungen normal aus. In Tokio begann sich das Leben nach den schweren Erschütterungen vom Freitag wieder zu normalisieren.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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