Atommüll-Endlager
Frankreichs Pläne sorgen für Ärger in Deutschland

Wohin mit dem Atommüll? In Frankreich läuft alles auf Bure im Nordosten des Landes hinaus – nur gut 120 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Das Pariser Vorpreschen bei dem Projekt sorgt in Deutschland für Ärger.
  • 3

Paris, SaarbrückenKeine Debatte, keine Abstimmung: In letzter Minute hat Frankreichs Regierung vor einigen Wochen zwei Seiten Text in ein ohnehin umstrittenes Wirtschaftsgesetz eingefügt. Der Passus hat es in sich, denn er forciert das geplante Atommüll-Endlager in Lothringen, nur etwas mehr als 120 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Dank eines Verfassungskniffs ging das Gesetz ohne Abstimmung durchs Pariser Parlament – seitdem köchelt es in den deutschen Grenzregionen.

Hiesige Umweltpolitiker sehen im „Loi Macron“ eine Vorfestlegung auf den Standort im kleinen Dorf Bure westlich von Nancy. Grünen-Chefin Simone Peter sprach von einem „Affront“. „Die Entscheidung zum Atommüllendlager in einem Gesetz für mehr Wirtschaftswachstum zu verstecken, widerspricht allen Regeln der Transparenz und der gut nachbarschaftlichen Beziehungen“, wetterte der SPD-Europaabgeordnete und einstige Saar-Umweltminister Jo Leinen. Der saarländische Landtag sprach sich sogar pauschal und einstimmig gegen die Einrichtung eines Endlagers in Bure aus.

Auch die Bundesregierung will nun Aufklärung von Paris. Das Umweltministerium wolle das Thema in der deutsch-französischen Kommission für Fragen der Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen aufgreifen, sagte eine Sprecherin im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Anders als in Deutschland, wo die Frage nach dem Standort für den Atommüll seit zwei Jahren wieder völlig offen ist, läuft in Frankreich alles auf Bure hinaus. Es könnte das erste atomare Endlager im Herzen Europas werden. Vor Ort gibt es vergleichsweise wenig Protest, in einem Labor 500 Meter unter der Erde erforschen Wissenschaftler schon seit Jahren die Bedingungen für die Lagerung von mittel- und hochradioaktiven Abfällen.

Die Pariser Regierung betonte denn auch, dass sich mit dem neuen Gesetz gar nichts Grundsätzliches geändert habe. „Das Prinzip (der Einrichtung des Endlagers) wurde schon vor mehreren Jahren vereinbart“, sagte Umweltministerin Ségolène Royal, die dem Prinzip der Tiefenlagerung selbst eigentlich kritisch gegenübersteht. In der Tat legt ein Gesetz aus dem Jahr 2006 die Basis für das Vorhaben der Betreibergesellschaft Andra.

Seite 1:

Frankreichs Pläne sorgen für Ärger in Deutschland

Seite 2:

Französische Grüne sprechen von einer „Kriegserklärung“

Kommentare zu " Atommüll-Endlager: Frankreichs Pläne sorgen für Ärger in Deutschland"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Bauarbeiten, wohl für das Forschungslabor, hatten 1994 begonnen und dieses hat 6 Jahre später seinen Betrieb aufgenommen. Jetzt ist die Aufregung groß, aber warum? Offensichtlich hat niemand von unserem Umweltministerium mit seinen Kollegen in Frankreich mal gesprochen. Gut ist doch, dass der Atommüll in Fall der Fälle zurückgeholt werden kann. Es sieht so als wenn wir von Frankreich noch etwas lernen können.

  • Ganz klar, dass das für Ärger in Deutschland sorgt.

  • Die Franzosen gehen durchaus professionell bei der Suche nach einem Atom-Endlager vor:

    ....in einem Labor 500 Meter unter der Erde erforschen Wissenschaftler schon seit Jahren die Bedingungen für die Lagerung von mittel- und hochradioaktiven Abfällen...

    Die Deutschen haben ihren Atom-Abfall vor mehr als 35 Jahren in die Schachtanlage "Asse" gekippt, beobachten nun die gelben Fässer und führen jetzt genauestens Buch, welches Fass schon verrostet ist und mit welchen demnächst zu rechnen ist.



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%