Atompolitik
El Baradei und der ungelöste Fall Iran

Mit seiner zaghaften Haltung gegenüber der iranischen Atompolitik ist Mohamad el Baradei, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, oft in die Kritik geraten. Ende November endet seine Amtszeit. Obwohl sich der Jurist um eine diplomatische Lösung bemüht, wird das iranische Atomprogramm voraussichtlich sein großer, ungelöster Fall bleiben.
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TEHERAN. Kultiviert, besonnen, immer freundlich. So präsentiert sich Mohamed el Baradei am liebsten – außer, der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) spricht das brisante Thema Iran an. Zu lange habe Teheran eine weitere Atomanlage verschleiert. „Iran hätte uns an dem Tag informieren müssen, als die Entscheidung zum Bau der Anlage fiel“, rügte er. Die Uno-Vetomächte, Deutschland und die EU konnten sich gestern bei den Atomverhandlungen in Genf auf die klare Ansage des Ägypters berufen.

Der Araber meldete sich im Streit um Teherans nukleare Ambitionen immer wieder zu Wort, reiste zu Gesprächen in die iranische Hauptstadt und drängte auf eine diplomatische Lösung. Und doch wird das Atompoker mit Teheran wohl als Baradeis großer ungelöster Fall in die Chronik der IAEA eingehen. Ende November tritt der 66-Jährige ab.

Die USA unter der Regierung Bush wollten seine Amtszeit schon 2005 beenden. Die angeblich lasche Haltung des Juristen ermutige den Gottesstaat, sein Atomprogramm voranzutreiben, hieß es. Auch die anderen vier offiziellen Atommächte Russland, China, Großbritannien und Frankreich brachte der Friedensnobelpreisträger gegen sich auf, als er sie immer wieder ermahnte, ihren Versprechungen aus dem Atomwaffensperrvertrag von 1970 auch Taten folgen zu lassen und ihre Arsenale komplett abzubauen. Immerhin haben sich die fünf Vetomächte – von US-Präsident Barack Obama gedrängt – im Uno-Sicherheitsrat jetzt für eine Welt ohne Atomwaffen ausgesprochen. El Baradei kann etwas zufriedener abtreten.

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