
HB TEHERAN. Der Iran will am Samstag sein erstes Atomkraftwerk anfahren, den Reaktor in Buschehr. Dem Bau einer Atombombe wird das Land nach Einschätzung von Experten damit allerdings nicht näherkommen: Russland stellt das angereicherte Uran bereit, das als Brennstoff dient, und nimmt auch die verbrauchten Brennstäbe wieder ab, die zur Produktion von waffenfähigem Plutonium genutzt werden könnten. Für den Iran bedeutet das Anfahren des Reaktors nach jahrzehntelangen Verzögerungen dennoch einen Meilenstein. Das Land strebt nach eigenen Angaben ohnehin nicht nach der Atombombe.
„Es ist ein großer Tag, auf den der Iran seit Jahren gewartet hat“, sagt Mark Fitzpatrick vom Internationalen Institut für Strategische Studien in London. „Das Anfahren von Buschehr ist so oft verschoben worden, dass die Iraner sehr erleichtert sein werden“. Der Iran dürfte das Anfeuern des Reaktors auch als Sieg über die USA betrachten, die seit Jahren versuchen, das iranische Atomprogramm zu stoppen. Sie misstrauen den Beteuerungen des Landes, die Atomtechnologie nur zu friedlichen Zwecken nutzen zu wollen.
Der Reaktor in Buschehr, der von der Internationalen Atomenergie-Behörde kontrolliert wird, stellt nach Aussage von Diplomaten kaum ein Risiko für die Weitergabe atomwaffenfähigen Materials dar. Es gebe auch keine Verbindung zum geheimen Anreicherungsprogramm, das in anderen Atomanlagen des Landes betrieben wird und als die wirkliche Bedrohung gilt.
Dennoch wurde das Anfahren von Buschehr in den USA zum Symbol hochstilisiert. „Falls Israel irgendetwas gegen Buschehr unternimmt, muss dies in den nächsten acht Tagen geschehen“, sagte der frühere US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton, dem US-Fernsehsender Fox News vergangene Woche.
Israel hatte im Irak bereits 1981 eine Baustelle bombardiert, wo ein Atomreaktor entstehen sollte. Ein ähnliches Vorgehen gegen den Iran hat das Land nicht ausgeschlossen. Es gilt als sicher, dass Israel selbst über Atomwaffen verfügt.
Nach Einschätzung von Ali Ansari, einem Iran-Experten an der schottischen St.-Andrews-Universität, dürften sowohl die Führung in Teheran als auch die Gegner des Iran das Anfahren von Buschehr über Gebühr aufbauschen. „Es wird wohl ein sehr theatralischer Start werden“, sagte Ansari. Die langjährigen Verzögerungen im Bau bedeuteten jedoch, dass mit Buschehr ein sehr altes Reaktormodell ans Netz gehe, dass wohl nur wenig Strom liefern werde. Außerdem handle es sich seiner Kenntnis nach um einen Leichtwasserreaktor, der nichts produziere, was zum Bau einer Atombombe beitragen könne.
Auch wenn man der Kernenergie nicht unkritisch gegenübersteht kann man dem iran nur dazu gratulieren gegen alle Widerstände dieses große nationale Projekt umgesetzt zu haben.
Die primitive Hetzkampagne wegen der angeblichen Atombombenpläne dieses Landes kann doch wohl keinen allseits informierten Mitteleuropäer überzeugen, zumal sie von denselben Leuten betrieben wird die solange von den gigantischen Arsenalen an Massenvernichtungsmitteln im irak gefaselt haben bis - leider erst nach beginn des Krieges - sie selbst nicht mehr daran glauben konnten weil es sie einfach nicht gab.
Der iran hat in seiner jüngeren Geschichte kein anderes Land besetzt sondern wurde selbst mehrmals Opfer westlicher Einmischung (Mossadegh-Sturz) oder vom Westen unterstützter Angriffe (Saddam Hussein).
Die so oft zitierte "Weltgemeinschaft" sollte sich nun endlich dem nuklearen Arsenal israels zuwenden, dieser Staat stellt seine kriegerischen Absichten schließlich nahezu jeden Tag unter beweis - ob beim letzten Gaza-Grieg oder dem Massaker auf der "Mavi Marmara".
Mein Glückwunsch an das iranische Volk
Der iran hat mit der inbetriebnahme des Kernkraftwerkes ökonomische, ökologische und politische Weitsicht und intelligenz bewiesen. Jedes neue AKW, das auf der Erde ans Netz geht, ist ein Meilenstein für technischen Fortschritt und ökologische Verantwortung. Der iran hat damit die Weichen in Richtung hin zu einem modernen industriestaat gestellt. Deutsche Politiker können von iran eine Menge lernen. Positiv auch, dass sich der iran als bollwerk gegen jüdische Hetzer und Scharfmacher erwiesen hat und der iran dem Jude nunmehr auf Augenhöhe gegenübertreten kann. Der technische und atomare Vorsprung israels im nahen Osten ist jedenfalls ab heute Geschichte.
Russland hat kein interesse an einem mit Atombomben ausgerüsteten Nachbarn. Die letzten ausländischen besatzungstruppen, die den iran erst 1952 verließen, war die Sowjetarmee.
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