Atomprogramm
Israel will Irans Bombe mit allen Mitteln stoppen

Der Staat Israel bangt um seine Existenz: Premierminister Olmert sieht im Atomprogramm des Iran eine unmittelbare Bedrohung für sein Land. Olmert reist daher derzeit durch Europa, um, nach seinen Vorstellungen, die Sanktionen gegen Teheran verschärfen zu lassen.

TEL AVIV. Israel macht weltweit Druck gegen das iranische Nuklearprogramm. Es sehe Atomwaffen in der Hand eines feindlichen Iran als rote Linie, die nicht überschritten werden dürfe, betonen Regierungsvertreter immer wieder. Um die Bombe zu verhindern, wirbt Premier Ehud Olmert jetzt für eine Verschärfung der Wirtschaftssanktionen gegen Teheran.

Gestern traf sich Olmert mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, morgen wird er in London mit dem britischen Premier Gordon Brown konferieren. Zuvor war er in Moskau, um Präsident Wladimir Putin vor der Gefahr einer nuklearen Aufrüstung der islamischen Republik zu warnen. Sekundiert wird Olmert von Präsident Schimon Peres, der als einer der Väter der israelische A-Bombe gilt: Viele Geheimdienste des Westens hätten Beweise dafür, dass Teheran an der Entwicklung von Atomwaffen arbeite, sagte Peres in der vergangenen Woche.

Während Olmert gestern in Paris von Sarkozy unterstützt wurde, gestaltete sich seine Mission in Moskau schwieriger. Russland will von einer Verschärfung der Sanktionen gegen Teheran nichts wissen. Ebenfalls schwierig dürften Olmerts Gespräche in London werden. Brown, der sich aus dem Schatten der USA lösen wolle, sei gegenüber Sanktionen und deren Wirkung skeptisch.

Putin, der sich in der vergangenen Woche in Teheran über die Atompläne informierte, zeigt Verständnis für den Ehrgeiz der islamischen Republik. Anders als Putin glaubt man der Beteuerung Teherans aber nicht, die Atomtechnologie nur für friedliche Zwecke einsetzen zu wollen.

Die Zurückhaltung Russlands gegenüber weiteren Iran-Sanktionen hält Jerusalem für problematisch. Die Unterstützung Russlands wäre zentral, um Teheran von der Entwicklung nuklearer Waffen abzuhalten, sagt Giora Eiland, der ehemalige Chef des Nationalen Sicherheitsrates in Jerusalem . Doch nicht alle israelischen Experten sehen die iranische Bombe als existentielle Gefahr.

„Israel kann aus vielen Gründen nicht zerstört werden“, sagte der ehemalige Mossad-Chef Ephraim Halevy in der vergangenen Woche: Einige Gründe seien bekannt, und andere könne man sich vorstellen. Der in Jerusalem lehrende Militärhistoriker Martin van Crefeld warnt, das militärische Potential Irans zu überschätzen. Die islamische Republik verfüge zwar über Langstreckenraketen, die Israel erreichen könnten. Aber deren Anzahl und deren Zuverlässigkeit seien beschränkt. Die iranische Luftwaffe befinde sich zudem in einem desolaten Zustand und verfüge über keine modernen Kampfjets. Die nukleare Aufrüstung betrachtet der Militärhistoriker van Crefeld sogar als Chance: „Wo immer sich in der Vergangenheit Staaten A-Waffen beschafft haben, sind größere Kriege unter deren Eigentümer verschwunden.“

Doch solche Überlegungen haben in der Regierung keinen Platz. Sollte sich Iran die Atomtechnologie nicht mit Hilfe der Diplomatie ausreden lassen, scheint eine Konfrontation zwischen den beiden Ländern unausweichlich, meint ein israelischer Iran-Experte. Die Mehrheit des Verteidigungsestablishments unterstütze eine Militäraktion gegen die nukleare Aufrüstung. Die Luftwaffe weise zwar darauf hin, dass Iran etwas gleich groß sei wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen, schreibt der Militärexperte Amir Oren in der Tageszeitung Haaretz. Ein Angriff auf iranische Reaktoren wäre deshalb etwa so schwierig wie eine gleichzeitige Bombardierung von Berlin, Paris und London. Die Aufgabe wäre zwar komplex, aber nicht unmöglich.

Israelische Botschaften verteilen bereits einen im Haaretz erschienen Artikel, in dem die Wirtschaftssanktionen als gescheitert geschildert werden. Wer sich nicht mit der atomaren Aufrüstung Irans abfinden wolle, der müsse sie mit Gewalt stoppen, heißt es im Artikel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%