Atomprogramm und Rakententests
Iran gegen den Rest der Welt

Nach dem Eingeständnis des Irans, eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu bauen, setzt die Weltgemeinschaft vorerst auf Dialog. Schärfere Sanktionen und sogar militärische Reaktionen werden aber nicht mehr ausgeschlossen.

HB WIEN/WASHINGTON/TEHERAN. US-Präsident Barack Obama warnte am Samstag Teheran in seiner wöchentlichen Radio- und Internetbotschaft vor gravierenden Konsequenzen, sollte die iranische Führung bei ihrem Atomprogramm nicht einlenken. Auf der anderen Seite bot er aber auch einen ernsthaften Dialog an.

Teheran kündigte unterdessen an, internationale Inspekteure in seine neue Anlage lassen zu wollen. Ein konkreter Termin wurde allerdings nicht genannt. Es werde eine "Inspektion der neuen Fabrik in angemessener Zeit geben", sagte der Leiter der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, im staatlichen Fernsehen.

Die iranischen Revolutionsgarden kündigten zudem ab Sonntag weitere Raketentests an. Mit dem jährlichen Manöver solle die Fähigkeit der Streitkräfte zur Abschreckung erhalten und verbessert werden, berichtete die Nachrichtenagentur ISNA am Samstag. Der Iran hatte im Juli 2008 bei einem Großmanöver neun Raketen getestet, darunter auch die modernste Version der Schahab-3-Rakete mit einer Reichweite von bis zu 2000 Kilometern. Die Regierung hatte den damaligen Raketentest als eine Warnung an die "Feinde" des Irans bezeichnet.

Das Mullah-Regime hatte am Freitag ungeachtet der Kritik an seinen Atomplänen überraschend zugegeben, neben einer Urananreicherungsanlage in Natans an einer zweiten Atomfabrik zu bauen. Dieser Bau war bisher der Öffentlichkeit nicht bekannt. Die Ankündigung stieß weltweit auf scharfe Kritik. Die neue Anlage befinde sich rund 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran und werde in etwa einem Jahr betriebsbereit sein. Über die Kritik an dem späten Bekanntwerden des Neubaus zeigte sich Irans Atom-Chef Salehi verwundert. Seiner Ansicht nach wäre das Land erst ein halbes Jahr vor Inbetriebnahme verpflichtet gewesen, deren Existenz zu melden. Die internationale Atomenergiebehörde IAEA hatte die Melderegeln allerdings vor einigen Jahren verschärft. Eine Anlage muss danach schon bei der Planung offengelegt werden.

Obama sagte in seiner Botschaft, die iranische Regierung habe die Wahl: "Sie kann ihrer Verantwortung nachkommen und sich in die internationale Gemeinschaft integrieren, oder sie gerät unter zunehmenden Druck und Isolierung." Zuvor hatte er bekräftigt, eine diplomatische Lösung anzustreben. Doch schließe er "keine Option aus, wenn es um die Sicherheit der USA geht". Er setze auf die bevorstehenden Gespräche in Genf und hoffe, dass das Land einlenke. Vertreter der fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrats (USA, Großbritannien, Russland, Frankreich und China), Deutschlands und des Irans kommen am 1. Oktober in der Schweizer Stadt zusammen.

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