Atomproteste
Zehntausende Japaner demonstrieren gegen Atomkraft

In Japan sind zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Kernenergie zu protestieren. Aktuelle Umfragen sagen, dass rund 70 Prozent der Bürger Japans für einen Atomausstieg plädieren.
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TokioRund sechs Monate nach Beginn der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima haben am Montag etwa 60.000 Menschen in der Hauptstadt Tokio gegen Atomenergie protestiert. Bei einer der bisher größten Anti-Atom-Demonstrationen des Landes forderten die Teilnehmer einen Ausstieg aus der Kernenergie.

„Wir müssen alle Atomkraftwerke stoppen, um unser Überleben zu sichern. Diese Forderung ist ein Ärgernis für diejenigen, die ihre Profite sichern wollen. Aber wir sind anders“, sagte Taro Yamamoto, einer der Redner. Anlass der Protestaktion war der Reaktorunfall in Fukushima als Folge des Erdbebens und Jahrhunderttsunamis vom 11. März.

Andere Redner übten Kritik am neuen Regierungschef Yoshihiko Noda. Dieser wolle bei der anstehenden UN-Konferenz zur Atomsicherheit das Wideranfahren von AKWs ankündigen und deren Sicherheit betonen. „Doch die Sicherheit und Glaubwürdigkeit sind bereits zunichte“, sagte der Buchautor und Mitorganisator der Demonstration, Satoshi Kamata.

Noda wird laut eines von der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zitierten Redeentwurfs bei der UN-Konferenz am Donnerstag versichern, dass Japan die Sicherheit der AKWs auf die „höchste Stufe“ anheben werde.

Ruiko Muto, Fürungsmitglied einer Anti-Atom-Gruppierung in Fukushima, warf den Verantwortlichen in der Regierung und beim Atombetreiber Tepco vor, dem Volk Fakten verheimlicht zu haben. „Die Regierung beschützt ihre Bürger nicht“, sagte Muto. Der Aktivist erhob den schweren Vorwurf: „Die Menschen in Fukushima werden zum Gegenstand für Atomexperimente.“ Angesichts der noch immer nicht unter Kontrolle gebrachten Reaktoren in Fukushima und der ständigen Sorge vor Erdbeben wächst in der japanischen Bevölkerung Angst um die Sicherheit aller 54 Meiler im Land. Die meisten sind zu Sicherheitsüberprüfungen heruntergefahren. Umfragen japanischer Medien zufolge befürworten inzwischen rund 70 Prozent der Bürger des Landes einen Ausstieg aus der Kernenergie.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Beim nächsten Mal bitte besser informieren mondahu. Japan hat gute Möglichkeiten, mit alternativen Energien ihre Energieversorgung zu sichern. Desweiteren sind inzwischen von 59 japanischen AKWs nur noch 2 Stück in Betrieb - ohne jegliche Probleme.
    Auch Deutschland braucht seine Energieimporte nicht. Atomenergie macht in Deutschland außerdem nur 17 % der Gesamtsättigung aus.

    Liebster Gruß
    N.

  • Wenn das nur gut geht. Strom ist jetzt schon knapp in Japan, Stromimport ist nicht möglich (was D im Augenblick gerade noch rettet), Kohle reicht nicht und ist dreckig. Bleiben nur Kerzen in bunten Lampions. Gute Nacht.

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