Atomstreit
Die Nachbarn äußern nur leise Kritik an Teheran

Auch in der arabischen Welt wird der mögliche Aufstieg Irans zur Atommacht mit Sorge verfolgt. Teherans Wiederaufnahme von nuklearen Aktivitäten könne auf die Nachbarn in der Region katastrophale Auswirkungen haben sagte der Vorsitzende des Golf-Kooperationsrates, Abdul Rahman el Attija der kuwaitischen Zeitung „Al Watan“. Dabei bezog er sich auf die möglichen Folgen eines Unfalls nach dem Anfahren des Atomreaktors im iranischen Buschehr.

HB KAIRO. In den zumeist sunnitisch dominierten Golf-Staaten wird die Stärkung der schiitisch geprägten islamischen Republik Iran traditionell mit Argwohn beobachtet, doch will in der gesamten arabischen Welt kaum jemand offen Stellung im Atomstreit zwischen Iran und dem Westen beziehen. Grund für die fehlenden öffentlichen Reaktionen ist – neben der gegenwärtigen Feiertagsruhe – das Engagement der USA für Israel und im Irak. Vor diesem Hintergrund wagt es kein arabischer Politiker, sich öffentlich in dem Streit auf die Seite Washingtons zu stellen.

Auch die verbalen Angriffen von Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad auf Israel hatten keine Reaktionen hervor gerufen. Zudem hat nach Ansicht von Experten die traditionelle Rivalität zwischen Iran und der arabischen Welt an Bedeutung verloren. Das Misstrauen gegenüber den „leeren Slogans“ der islamischen Revolution habe zum Iran-Irak-Krieg geführt und daraus habe man Lehren gezogen, argumentiert Pirouz Mojtahedzadeh. Der iranische Professors für Geopolitik unterrichtet an der TM-Universität in Teheran und leitet in London das Forschungsinstitut UROSEVIC.

Zwar gibt es in Saudi-Arabien immer mal wieder Expertenstimmen, die vor einer Atommacht Iran warnen. Doch nach Mojtahedzadehs Einschätzung wird der Verdacht des Westens, Iran arbeite an der Entwicklung einer Atombombe, von den arabischen Nachbarn nicht geteilt.

Im Iran selbst sei der Anspruch auf die Entwicklung einer eigenen Atomforschung und auf eine zivile Nuklearindustrie inzwischen zu einer Frage des nationalen Stolzes geworden, sagt Mojtahedzadeh. Die Iraner fühlten sich als Opfer der USA, welche die Interessen Israel durchsetzen wollten. Die Wiedereröffnung der Forschungseinrichtungen in Natans werde daher von einem nationalen Konsens getragen.

Für die Atompolitik hat die Regierung in Teheran auch die Rückendeckung der eigentlichen Autorität des Landes: Der oberste Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei erklärte am Wochenanfang, Iran habe das „nicht verhandelbare Recht“ zur Entwicklung ziviler Nuklearenergie. Durch die Drohungen des Westens werde sich Teheran nicht einschüchtern lassen, sagte der Religionsführer. Dies wurde in Teheran als Zustimmung zur Wiederaufnahme der Forschungsarbeiten gewertet. Irans Reformer fürchten zwar eine weitere Isolation des Landes, beziehen aber öffentlich nicht Stellung.

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