Atomstreit
IAEA findet im Iran neue Uran-Spuren

Eine neue Entdeckung von UN-Inspektoren im Iran verstärkt nach Angaben von Diplomaten am Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien den Verdacht, dass Teheran heimlich doch an einem militärischen Atomprogramm arbeiten könnte. Die Vetomächte sind sich uneins ob einer angemessenen Reaktion.

HB WIEN/JAKARTA. UN-Inspektoren haben im Iran neue Spuren von hoch angereichertem Uran gefunden. Der Anreicherungsgrad des entdeckten Materials liege jedoch unter der Waffentauglichkeit, sagte ein Gewährsmann am Freitag. Er liege aber höher, als für den Betrieb von Atomkraftwerken notwendig.

Zuvor hatten Diplomaten, die anonym bleiben wollten, gesagt, das Material liege knapp unter oder knapp über der Waffentauglichkeit. Die Ergebnisse seien jedoch noch vorläufig und müssten durch weitere Labortests bestätigt werden. Dennoch gebe die Herkunft der Proben Anlass zur Besorgnis. Das Material stammt den Angaben zufolge aus Apparaturen, die in Anreicherungszentrifugen der ehemaligen Forschungsanlage Lawisan-Schian eingebaut werden können. Die Anlage wurde nach Angaben des US-Außenministeriums aus dem Jahr 2004 abgerissen, um Spuren von Experimenten zur militärischen Nutzung der Nuklearenergie zu vertuschen.

Bei Kontrollen der IAEA wurden bereits früher Spuren von hoch angereichertem Uran gefunden. Sie stammen nach Erkenntnissen der IAEA jedoch aus Apparaturen zur Urananreicherung, die der Iran vor nahezu zwei Jahrzehnten über Schwarzmarktkanäle aus Pakistan erworben hat.

UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte unterdessen die USA auf, im Streit über das iranische Atomprogramm Verhandlungen mit Teheran aufzunehmen. „Es ist wichtig, dass die USA an den Verhandlungstisch kommen und sich den europäischen Ländern anschließen, um eine Lösung zu finden“, sagte Annan am Rande des EU-Lateinamerika-Gipfels am Freitag in Wien. Er forderte beide Seiten auf, ihre Rhetorik zu mildern und alles daran zu setzen, eine diplomatische Lösung zu finden.

Die USA hoffen auf eine diplomatische Lösung, haben militärische Konsequenzen aber nicht völlig ausgeschlossen. Die Außenminister der fünf Vetomächte im Weltsicherheitsrat und Deutschlands haben dem Iran zwei weitere Wochen Zeit gegeben, gemäß den Forderungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) die Anreicherung von Uran einzustellen. Iran hatte kürzlich bekannt gegeben, erstmals erfolgreich niedrig angereichertes Uran hergestellt zu haben, um Kraftwerke betreiben zu können.

Frankreich hat sich mit Blick auf die geplante UN-Resolution gegen einen Sanktionsautomatismus ausgesprochen. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac erklärte am Rande des EU-Lateinamerika-Gipfels in Wien, Frankreich habe nichts gegen eine harte Resolution. Sie dürfe aber nicht zur automatischen Verhängung von Sanktionen oder gar militärischen Aktionen führen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte ebenfalls in Wien, dass der UN-Sicherheitsrat „mit Energie an der Verabschiedung einer Resolution arbeiten werden“ müsse. Zugleich müsse aber der „Rückweg in einen Verhandlungsprozess“ neu geebnet werden. Dies könne nur dadurch geschehen, „dass wir der politischen Führung in Teheran signalisieren, wo die Vorteile einer Kooperation mit der internationalen Staatengemeinschaft, darunter auch der IAEA, liegen, wo aber glasklar auch die Nachteile liegen würden“, sollte der Iran hart bleiben.

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