Atomstreit
Iran droht USA mit Gegenschlag

Der Ton des Iran gegenüber Washington wird wieder schärfer: Teheran drohte jetzt für den Fall eines US-Angriffs mit einem Vergeltungsschlag. Zudem spotte Außenminister Manuchehr Mottaki über die Einsatzbereitschaft der amerikanischen Armee.

HB BAGHDAD. „Wenn die Amerikaner den Iran irgendwo angreifen, wird der Iran mit einem Angriff zurückschlagen“, sagte der iranische Mottaki nach einem Treffen mit dem irakischen Parlamentspräsidenten Mahmud al-Maschhadani. Allerdings relativierte er die Gefahr umgehend: "Wir sehen die USA im Moment nicht in der Position, wo sie dem amerikanischen Steuerzahler einen zweiten Krieg zumuten würden."

Mottaki traf sich in Bagdad mit mehreren Vertretern der neuen irakischen Regierung. Es war der zweite Besuch eines hochrangigen iranischen Vertreters in dem Nachbarland seit dem Sturz Saddam Husseins 2003.

Zuvor hatte Teheran Gesprächen mit den USA über die Zukunft des Iraks vorerst eine Absage erteilt. Die USA hätten versucht, Irans anfängliche Zusage als Propaganda zu nutzen, sagte Mottaki. Daher nehme sein Land das Angebot wieder zurück. Der Iran und die USA hatten sich im März überraschend zu Gesprächen über die angespannte Sicherheitslage im Irak bereit erklärt. Nachdem US-Präsident George W. Bush und sein wichtigster Verbündeter Tony Blair am Donnerstag Fehler im Irak eingestanden hatten, rückte durch den Mottaki-Besuch die Rolle der Islamischen Republik nun stärker in den Mittelpunkt.

Eine Reaktion der US-Regierung auf die Absage des Iran gibt es bislang nicht. Die Regierung in Washington wirft Iran vor, Unruhen in dem Nachbarland zu schüren und nichts gegen das Eindringen von Rebellen zu unternehmen. Die US-Regierung hatte ihren Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad, zu Gesprächen mit Teheran ermächtigt. Das Atomprogramm Teherans sollte dabei nicht zur Sprache kommen.

Vertreter der USA und Großbritanniens werfen Iran auch vor, irakische Aufständische zu unterstützen. Sie befürchten, die Regierung in Teheran könnte den Aufstand im Nachbarland nutzen, um die rund 130 000 Soldaten dort einzubinden und vom eigenen Land fernzuhalten. Die unter Saddam Hussein dominante sunnitische Minderheit steht an der Spitze des Aufstandes im Irak und ist in Bezug auf den schiitischen Iran besonders misstrauisch. Doch trotz der religiösen Nähe ist auch die schiitische Mehrheit im Irak nicht durchweg pro-iranisch. Im ersten Golfkrieg kämpften viele noch an der Seite Saddams gegen Iran. Jedoch verfügen viele führende Vertreter aus Malikis Lager über beste Kontakte nach Teheran.

Ein Anzeichen für die guten Beziehungen zwischen den Regierungen des Iraks und Irans lieferte Bagdads neuer Außenminister Hoschijar Sebari heute mit einer Äußerung, die den USA kaum gefallen dürfte. Er räumte Iran das Recht auf ein Atomprogramm ein. Die Islamische Republik dürfe Nuklearforschung zu friedlichen Zwecken betreiben, sagte er. "Wir wollen aber nicht, dass irgendeiner unserer Nachbarn Massenvernichtungswaffen hat." Die USA, die die irakische Regierung unterstützen, vermuten hinter dem iranischen Nuklearprogramm auch militärische Absichten. Iran bestreitet diese Vorwürfe und pocht auf sein Recht auf friedliche Nutzung von Kernenergie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%