Atomstreit
Iran geht nicht auf Kompromiss ein

Nach einem von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA erarbeiteten Atomdeal sollte Iran Uran zur Anreicherung ins Ausland schicken. Doch das islamische Land geht nicht auf den Kompromiss ein. Stattdessen werde ein Materialtausch im Inland in Erwägung gezogen.
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HB WIEN/TEHERAN. Iran geht nicht auf den Atomkompromiss mit der internationalen Gemeinschaft ein. Nach Angaben seines Außenministers Manuchehr Mottaki wird das islamische Land den von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA erarbeiteten Atomdeal nicht akzeptieren und kein Uran zur Anreicherung ins Ausland schicken. Die UN-Behörde habe zwar noch keine offizielle Absage von Iran erhalten, die Chancen auf ein Gelingen des Deals seien aber inzwischen "sehr dünn", hieß es aus IAEA-Kreisen in Wien.

Iran werde kein schwach angereichertes Uran ins Ausland senden, um es dort weiter anreichern zu lassen, sagte Mottaki am Mittwoch der Nachrichtenagentur ISNA. Stattdessen werde ein Materialtausch im Inland erwogen, zitierte die Agentur den Außenminister.

Die fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates und Deutschland hatten sich mit Iran bei den wieder aufgenommenen Atomverhandlungen in Genf auf einen Kompromiss geeinigt: Teheran braucht dringend höher angereichertes Uran für einen Forschungsreaktor zu medizinischen Zwecken. Statt sein niedrig angereichertes Uran im Land selbst höher anzureichern, sollte Teheran es dafür nach Russland und Frankreich schicken.

Der iranische Gesandte bei der IAEA, Ali Asghar Soltanieh, betonte in Wien, es gebe schon länger ein "Vertrauensdefizit", da verschiedene Länder ihre Nuklear-Lieferverträge mit Iran nicht eingehalten hätten. "Wir wollen sicher sein, dass es eine Garantie dafür gibt, dass wir am Ende den Brennstoff für unseren Forschungsreaktor in Teheran erhalten", sagte Soltanieh.

Eine Einigung auf den im Detail von der IAEA ausgearbeiteten Atomdeal wäre ein wichtiger Schritt zum Vertrauensaufbau und könnte die seit Jahren verfahrenen Verhandlungen über den wahren Charakter des iranischen Atomprogramms wieder in Gang bringen. Teheran hatte aber zwischenzeitlich erklärt, Iran wolle lieber angereichertes Uran aus dem Ausland zukaufen, ohne sein schwach angereichertes Material dafür abzugeben. Iran hatte stets wirtschaftliche und technische Gründe dafür angeführt, dass der ursprüngliche Vorschlag nicht in Gänze angenommen werden könne.

Auch wenn Mottaki keine Details bekanntgab, scheint Iran nun zuerst den Brennstoff für seinen Reaktor haben zu wollen. Frühestens wenn dieser in Teheran ist, will das Land sein Uran außer Landes bringen. Erstes Anliegen Irans sei aber, den Brennstoff selbst zu produzieren, so Mottaki. Als Zweites wolle das Land ihn kaufen und erst an dritter Stelle stehe der Deal zum Tausch, über den das Land nachdenken wolle. "Nur weil die Weltmächte die dritte Option verwirklicht haben wollen, werden wir uns nicht einschränken lassen", sagte der Außenminister.

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