Atomstreit
Iran lässt Uran im Ausland anreichern

Um neuen Sanktionen vorzubeugen, will Iran Inspekteuren der IAEA Zugang zu einer iranischen Anreicherungsanlage gewähren. Zudem will die iranische Führung auf das Angebot, Uran im Ausland anreichern zu lassen, eingehen. Hält sich Teheran an die Zusagen, könnte eine militärische Eskalation vermieden werden.
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BERLIN. Iran will Inspekteuren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am 25. Oktober Zugang zu seiner lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage in Ghom gewähren. Dies teilte IAEA-Chef Mohamed el Baradei gestern nach einem Treffen mit Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad in Teheran mit. Nach der überraschenden Zusage der iranischen Führung, Uran zur weiteren Anreicherung ins Ausland zu geben, hat sich der Atomstreit zwischen Iran und dem Westen spürbar entspannt.

Bei Gesprächen mit den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland in Genf hatte Teheran am vergangenen Donnerstag überraschend eingewilligt, 1 200 von 1 500 Kilogramm bereits angereichertem Uran an französische Experten zu übergeben. Das Uran war zuvor in der iranischen Anlage in Natans auf einen Anreicherungsgrad von 3,5 Prozent gebracht worden. Es soll in Frankreich und dann in Russland auf knapp 20 Prozent angereichert und nach etwa einem Jahr zurück nach Iran geliefert werden. Dort soll es in einem medizinischen Forschungsreaktor in Teheran eingesetzt werden, der seit Jahren unter Kontrolle der IAEA steht.

US-Präsident Barack Obama vermied es am Wochenende angesichts früherer iranischer Wortbrüche zwar, von einem Durchbruch zu sprechen. Sollte Teheran aber seine Zusagen einhalten, wäre die Gefahr, dass das Land in den Besitz von Atomwaffen kommt, für längere Zeit gebannt, betonen EU-Diplomaten. Denn bisher hatten Experten befürchtet, Iran könnte in Natans und Ghom Uran auf mehr als 90 Prozent anreichern und so Material zum Bombenbau haben.

Vor dem Entgegenkommen Teherans hatten westliche Geheimdienste gewarnt, dass Iran bis spätestens nächsten Sommer genug Uran für eine Atomwaffe angereichert haben dürfte. Israel, das von Irans Präsident Ahmadinedschad mehrfach offen bedroht worden war, hatte einen Militärschlag nicht ausgeschlossen, um zu verhindern, dass Iran diesen „point of no return“ erreicht. Auch das nötige Know-how für den Bau der Bombe sei in Iran vorhanden, heißt es in einem vertraulichen Bericht der IAEA, aus dem die „New York Times“ zitiert.

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