Atomstreit
Iran provoziert mit weiteren Raketentests

Als heize die Nachricht von einer neuen Atomanlage im Iran die Spannungen in der Krisenregion Mittlerer Osten nicht schon genug an, hat der Iran am Sonntag wie tags zuvor angekündigt zusätzlich mit neuen Raketentests provoziert. Israel, das schon seit langem eindringlich vor einer iranischen Atombombe warnt, drängt die USA angesichts der jüngsten Entwicklungen zum Handeln - zumal Befürchtungen im Westen und Israels, die neue Atomanlage diene militärischen Zwecken, neue Nahrung erhielten.

TEHERAN/JERUSALEM. Die iranischen Streitkräfte feuerten am Sonntag bei einem Manöver mehrere Kurzstreckenraketen eines neuen Typs ab. Es habe sich um Geschosse des Typs Fateh-110 und und Tondar-69 gehandelt, berichtete der iranische Sender Press TV. Zudem seien von den iranischen Revolutionsgarden Abschussanlagen getestet worden. Die Raketentests waren am Samstag angekündigt worden. Einen Tag zuvor hatte das Eingeständnis des Irans, eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu bauen, international Besorgnis und scharfe Kritik ausgelöst. Das islamische Land steht im Verdacht, am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Der Iran beteuert, das atomare Material nur für zivile Zwecke nutzen zu wollen.

Ein Sprecher der Revolutionsgarden sagte am Sonntag, Ziel der Militärübung sei es, die Verteidigungsfähigkeit zu verbessern, auch im Fall einer "langanhaltenden ausländischen Invasion". Dazu gehöre auch die Bewertung jüngster technischer Fortschritte bei Boden-Boden-Raketensystemen. Die Raketentests erfolgten in verschieden Etappen und an unterschiedlichen Orten, sagte General Hossein Salami weiter. Am zweiten Tag des Manövers am Montag sollten zudem erneut Schahab-3-Raketen getestet werden.

Der Iran hatte bereits im Juli 2008 bei einem Großmanöver die modernste Version der Schahab-3-Rakete getestet. Die neuerlichen Tests sind auch eine erneute Botschaft an Israel. Falls Tel Aviv auf die Idee kommen sollte, die Atomanlagen des Landes zu bombardieren, dann werden die Garden ihre Schahab-3 Raketen einsetzen. Mit einer solchen Reichweite könnten die Raketen nämlich jeden beliebigen Teil des Judenstaates treffen.

Die jüngsten Raketentests sind zugleich als Demonstration militärischer Stärke des Landes zu verstehen, das im sich zuspitzenden Atomstreit mit seinen Kritikern auf Konfrontation setzt. Erst am Freitag hatte die Nachricht von einer neuen Atomanlage im Iran weltweit für Empörung gesorgt und die Sorge um eine militärische Nutzung verstärkt. Die Existenz der Atomfabrik zur Urananreicherung war bislang vom Iran verschwiegen und erst am Montag in einem Schreiben an die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) offenbart worden. Nach iranischer Darstellung soll darin Brennstoff für Atomkraftwerke gewonnen werden.

Zwar will der Iran nach eigenem Bekunden Uno-Inspekteuren Zutritt zu der Anlage gewähren. Und der Leiter des iranischen Atomprogramms, Ali Akbar Salehi, wies am Samstag im staatlichen Fernsehen zugleich den Vorwurf der Täuschung zurück. An der Anlage sei nichts Geheimes, erklärte er. Wann die Inspekteure der IAEA die Atomanlage, die in der Nähe der heiligen Stadt Kom steht, besuchen können, sagte Salehi aber nicht. Zugleich erhielten Befürchtungen im Westen und Israel, die Anlage diene militärischen Zwecken, neue Nahrung. Ein enger Gefolgsmann des geistlichen Führers im Iran, Ali Chamenei, erklärte am Wochenende, die Anlage bedeute eine Gefahr für alle Gegner der Islamischen Republik. "Diese neue Anlage wird, so Gott will, bald betriebsbereit sein und die Augen der Feinde blenden", sagte Mohammad Mohammadi Golpajegani.

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman sieht dagegen den Beweis erbracht, dass der Iran nach Atomwaffen strebt. Die Anlage diene "ohne Zweifel" militärischen Zwecken, sagte Lieberman im israelischen Rundfunk. Die Welt müsse jetzt ihre Schlussfolgerungen ziehen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drängte die USA zum Handeln. Er forderte im Atomstreit mit dem Iran "lähmende Sanktionen". "Wenn nicht jetzt, wann dann?", sagte er. Die Tageszeitung "Jerusalem Post" zitierte einen hochrangigen Regierungsbeamten mit den Worten: "Wir glauben, dass viele westliche Länder jetzt sehen, wie die Maske des Irans herunterfällt." Die Welt habe ihre letzte Chance zum Eingreifen.

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