Atomstreit
Iran würde Anreicherung unter Bedingungen stoppen

Die Gespräche zum Atomstreit werden im Juni in Moskau fortgesetzt. Der Iran gibt sich kompromissbereit, pocht aber zugleich darauf, dass sein Recht auf eine friedliche Nutzung der Atomenergie anerkannt wird.
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TeheranIm Atomstreit mit dem Westen wäre der Iran unter Bedingungen bereit, sein Programm zur Anreicherung von Uran auf 20 Prozent einzustellen. Allerdings müsse dafür das Recht des Landes auf ein eigenes Atomprogramm anerkannt werden, sagte am Montag Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast in Teheran. „Unser Atomrecht müsste anerkannt und zur Grundlage weiterer Verhandlungen werden, nur so kann es einen Durchbruch geben“, erklärte Mehmanparast. „In diesem Fall könnte der Iran sogar einen Stopp der 20-Prozent-Anreicherung in Betracht ziehen, wenn der Westen deren friedlichen Charakter anerkennt.“

Die internationale Atombehörde IAEA fordert vom Iran, die umstrittene Urananreicherung auf 20 Prozent zu stoppen. Sie gilt als wichtiger Schritt in Richtung einer höheren Anreicherung, mit der auch waffenfähiges Uran hergestellt werden könnte.

Teheran untersagt internationalen Kontrolleuren weiter den Zugang zur umstrittenen Anlage Parchin. Es habe bisher keine Einigung mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) gegeben, sagte der Direktor des iranischen Atomprogramms, Ferejdun Abbasi, der Agentur Isna am Sonntag. „Die IAEA wird von einigen Ländern dazu gedrängt, die Anlage Parchin zu kontrollieren, aber wir haben uns noch nicht darauf verständigt.“ Die „nötigen Dokumente“, die eine Kontrolle rechtfertigten, habe Teheran noch nicht erhalten, sagte Abbasi.

Laut Abbasi will der Iran nun auch den Plan für den Bau eines weitern Atomkraftwerks in der südlichen Hafenstadt Buschehr umsetzen. In Buschehr gibt es schon das von den Russen gebaute 1000-Megawatt- Atomkraftwerk, das aber noch nicht voll und ganz im Betrieb ist. „Wir planen den Bau des neuen 1000-Megawatt-Kraftwerks für nächstes Jahr, brauchen aber dafür ausländische Hilfe“, sagte Abbasi. Der Iran und Russland haben bereits mehrmals über eine Zusammenarbeit für das zweite Kraftwerk gesprochen, aber konkrete Ergebnisse wurden bis jetzt noch nicht erzielt. Auch die ersten Untersuchungen für einen 360-Megawatt-Reaktor in Darchowein in der Nähe von Buschehr sollen laut Abbasi beendet sein. Bald solle die nächste Phase beginnen.

Die IAEA befürchtet, dass der Iran verdächtige Spuren eines mögliches Atomwaffenprogramms in der Forschungsanlage Parchin beseitigen könnte. In Parchin seien lange keine besonderen Aktivitäten beobachtet worden, aber jetzt gebe es rund um die verdächtigen Gebäude so viel Betrieb, dass der Verdacht bestehe, eine wirksame Überprüfung solle verhindert werden.
Die Atomgespräche zwischen Repräsentanten der internationalen Staatengemeinschaft und des Irans sollen am 18. und 19. Juni in Moskau fortgesetzt werden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Iran würde Anreicherung unter Bedingungen stoppen?
    Mit Nichten.
    Der Nachrichtenagentur Isna sagte Abbasi-Davani, ein Mullah - Funktionär in Sachen Energie, der Iran sehe keinen Grund, eine Uran-Anreicherung auf bis zu 20 Prozent aufzugeben.
    Dem Herrn ist offenbar entgangen, das die westlichen Staaten vermuten, dass der Iran an der Entwicklung von Atomwaffen arbeitet.
    IST DAS NICHT GRUND GENUG?

  • Während die Gespräche der 5+1-Gruppe mit der Islamischen Republik Iran zum wiederholten Mal so verlaufen sind, wie abzusehen war, nämlich ohne Annäherung in der Sache, hat Fereydoon Abbasi-Davani, Chef von Irans Atomenergiebehörde, nach der Abreise der Delegationen zum Besten gegeben, er sehe überhaupt keinen Grund dazu, sich mit weniger als einer Anreicherung auf 20% zufrieden zugeben.
    von Gerrit Liskow

    http://haolam.de/index.php?site=artikeldetail&id=9087

  • Ich habe die amerikanischen Aktionen in der Region immer kritisch gesehen, hier allerdings ist echter Handlungsbedarf: Die US Air Force sollte die iranischen Atomanlagen gründlich und vollständig pulverisieren, dann wäre das Thema wenigstens für ein paar Jahre vom Tisch.

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