Atomstreit
„Leidensfähigkeit in Nordkorea ist enorm“

Nach seinem ersten Atomwaffentest hat Nordkorea mit dem Abschuss einer nuklear bestückten Rakete gedroht. Experten bezweifeln allerdings, dass das Land dazu fähig wäre. Sie erklären, was Pjöngjang mit seinen Drohungen erreichen will und warum auch verschärfte Sanktionen ohne Wirkung bleiben werden.

hac DÜSSELDORF. „Es geht vor allem darum, die große Keule zu schwingen“, sagt Hans Joachim Gießmann, Wissenschaftler am Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, im Gespräch mit Handelsblatt.com. „Jedem Politiker und jedem Militär in Nordkorea muss klar sein, dass der Einsatz von Kernwaffen nicht nur das Ende des Regimes, sondern auch das Ende der gesamten Gesellschaft bedeutet.“

Pjöngjang verfolgt nach Ansicht von Gießmann zwei Ziele: Zum einen wolle es eine Bestandsgarantie durch die USA erpressen, zum anderen so viele Zuwendungen wie möglich zu erhalten. Unter Berufung auf einen Vertreter Nordkoreas hieß es am Dienstag in einem südkoreanischen Medienbericht, das Land sei bereit, bei entsprechenden Gegenleistungen der USA sein Atomprogramm zu stoppen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Dass weitere Sanktionen dem abgeschotteten Regime in Pjöngjang schaden oder einen Zusammenbruch des Regimes bewirken könnten, bezweifelt Gießmann. Eine „gravierende Zersetzung der Gesellschaft, die das Regime von innen gefährdet“ bestehe nicht. „Die Leidensfähigkeit der Menschen in Nordkorea ist enorm, der mangelnde Widerstandswille in der Bevölkerung erschreckend“, sagt Gießmann, der das Land vor kurzem besucht hatte.

Bis Nordkorea überhaupt in der Lage ist, Atomwaffen in sein Arsenal zu stellen, wird es nach allgemeiner Einschätzung von Experten noch mehrere Jahre dauern. Die Wahrscheinlichkeit, dass Nordkorea bereits jetzt einen Atomsprengkopf für eine Rakete besitze, sei gleich null, sagt David Wall, ein Experte des Londoner Instituts Chatham House. Der nordkoreanische Präsident Kim Jong Il könne die Bombe allenfalls „auf dem Rücksitz eines Taxis nach Seoul bringen“.

Auch die nordkoreanischen Raketen sind alles andere als ausgereift. „Die Trägerraketen sind erst in einem Entwicklungsstadium“, sagt der russische Waffenexperte Pawel Solotarew. Vor acht Jahren zündete Nordkorea zum ersten Mal eine Langstreckenrakete, die über Japan hinwegflog. Im Juli dieses Jahres testete das Land erfolgreich ein halbes Dutzend Kurz- und Mittelstreckenraketen. Eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong 2 explodierte dagegen kurz nach dem Start und stürzte ins Meer. Dennoch, so glauben die Experten, könnte Pjöngjang innerhalb eines Jahrzehnts zu einem Atomschlag in der Lage sein.

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