_

Atomstreit mit Iran: Russland und Türkei fordern politische Lösung

Wenige Tage vor einem möglichen EU-Einfuhrstopp für iranisches Öl rufen Russland und die Türkei zu weiteren Verhandlungen im Atomstreit auf. Beide Länder halten eine politische Lösung des Konflikts für möglich.

Russlands Außenminister Sergei Lavrov plädiert dafür, weiter mit dem Iran zu verhandeln. Quelle: Reuters
Russlands Außenminister Sergei Lavrov plädiert dafür, weiter mit dem Iran zu verhandeln. Quelle: Reuters

Moskau/IstanbulIm Atomstreit mit dem Iran arbeiten die Türkei und Russland mit Hochdruck an einer diplomatischen Lösung. In Moskau sprach sich Außenminister Sergej Lawrow nach einem Treffen mit dem iranischen Unterhändler Ali Bageri für weitere Verhandlungen aus. Eine militärische Lösung des Konflikts lehnte er erneut ab.

Anzeige

Der Westen verdächtigt die Führung in Teheran, unter dem Deckmantel der zivilen Atomforschung die Entwicklung von Atomwaffen voranzutreiben. Israel fühlt sich in seiner Existenz bedroht. In Ankara rief der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu die internationale Gemeinschaft und auch den Iran zur Fortsetzung der Gespräche auf. Die Türkei sei zur Unterstützung bereit, sagte Davutoglu am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit seinem iranischen Amtskollegen Ali-Akbar Salehi. „Es ist höchste Zeit für Gespräche und eine Lösung“, wurde Davutoglu von der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zitiert.

Die Gespräche waren vor etwa einem Jahr in Istanbul wegen fehlender Fortschritte auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Der Iran hatte es abgelehnt, die Urananreicherung zu stoppen - ein zentrales Anliegen der 5+1-Gruppe (die UN-Vetomächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland). Die Außenminister der 27 EU-Staaten planen bei einem Treffen am Montag, den Stopp der Öleinfuhren aus dem Iran zu beschließen.

In Moskau sagte Lawrow, das Riesenreich wolle sich weiter aktiv um eine politische Lösung des Streits bemühen. Russland appelliere aber auch an den Iran, schnell zu einer für alle Seiten akzeptablen Lösung beizutragen. Lawrow hatte erst am Vortag nachdrücklich vor einem Militärschlag gegen den Iran gewarnt.

Iran

An diesem Sonntag reist der iranische Innenminister Mostafa Mohammed Nadschar zu Verhandlungen nach Moskau. Russland ist ein enger Handelspartner des Irans und lehnt neue Sanktionen gegen das Land im Weltsicherheitsrat ab. Der Iran hatte sich in der Vorwoche für die Fortsetzung der Gespräche in der Türkei ausgesprochen. Auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton als Verhandlungsführerin der 5+1-Gruppe will nach Angaben von Davutoglu den Gesprächsfaden wieder aufnehmen.

  • 23.01.2012, 12:34 UhrAnonymer Benutzer: WFriedrich

    Marc Faber prognostitizierte kürzlich den 3. Weltkrieg binnen der nächsten 5 Jahre. Trotz des spekulativen Gehalts seiner These ist angesichts der 3000jährigen Kriegsgeschichte kaum vom Beginn des "Zeitalter des ewigen Friedens" auszugehen. Im Gegenteil: nach der Auflösung der Pattsituation zu Ende der 80iger Jahre haben die Konflikte weltweit zugenommen, die Zahl der Getöteten stieg unaufhörlich. Einige sehen hierin das unverzichtbare, gottgewollte Regulativ vs. weltweite Bevölkerungsexplosion und Umweltzerstörung. Ein Iran-Krieg könnte sich zum 3. Weltkrieg ausweiten, weil sich am Golf alle globalen Rivalitäten mit regionalen Problemen überschneiden. Bis 1990 lag der Interessenschnittpunkt über Deutschland. Wir sollten froh sein, dass er abgewandert ist: unser Volk stand vor der atomaren Ausrottung. Nach einem opferreichen Krieg im mittleren Osten würde wieder eine längere Friedenszeit zu erwarten sein, weil danach alle die Opfer beklagen und auf Friedenskonferenzen kokettieren. Eine diplomatische Lösung des Konflikt war und ist nicht in Sicht: alle realistischen Alternativen heißen "Krieg". Ein Erfolg des Ölembargos wäre eine wundersame und glückliche Überraschung.

  • 21.01.2012, 22:51 UhrAnonymer Benutzer: Cassandra70

    Alle reden von dem vermutlichen Atomwaffenentwicklungsprogramm des Iran. Keiner redet über die einsatzbereiten Atomwaffen Israels. Ich fühle mich von existenzierenden Waffen mehr bedroht, als durch solche in Entwicklung. Keiner erkläre mir die Israelis seien friedfertig.

  • 20.01.2012, 22:24 UhrAnonymer Benutzer: Cassandra70

    Was soll die einseitige Sicht auf den Iran? Israel entwickelt nicht nur, sondern es hat bereits ein nicht unbeträchtliches, einsatzbereites Atomwaffenpotential. Warum redet darüber keiner? Gibt es zweierlei Recht, eines für Israel und eines für den Rest der Welt?

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Über 90 Tote: Entsetzen über Massaker in Syrien

Entsetzen über Massaker in Syrien

Bei einem Massaker sind in Syrien mehr als 90 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter auch viele Kinder. Die entsetzte internationale Gemeinschaft fordert erneut ein Ende der Gewalt - doch das Blutvergießen geht weiter.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International