Atomstreit
Netanjahu zeigt Iran die Grenze auf

Israels Ministerpräsident warnt die Weltgemeinschaft vor dem iranischen Atomprogramm. Mit der Grafik einer Bombe wollte Netanjahu vor der UN-Vollversammlung das Gefahrenpotential von Ahmadinedschad verdeutlichen.

New York/JerusalemIm Ringen um eine Lösung des Atomstreits mit dem Iran setzt Israel auf klare Grenzen für das umstrittene Nuklearprogramm der Islamischen Republik. Um einen militärischen Konflikt noch zu vermeiden, bedürfe es "klarer roter Linien", sagte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu vor der UN-Vollversammlung in New York. "Rote Linien führen nicht zum Krieg. Sie verhindern Kriege." Bis zum Sommer werde der Iran fast genug angereichertes Uran zum Bau einer Atombombe besitzen.

Schon vor der Rede hatten Mitarbeiter Netanjahus betont, dass der Premier keinen Gegensatz zu Äußerungen von US-Präsident Barack Obama aufbauen werde. "Obama hat verkündet, dass der Iran keine Atomwaffen besitzen wird. Der Ministerpräsident wird den Weg dahin darlegen", hieß es. Vor den UN sagte Netanjahu selbst, Israel und die USA diskutierten ständig über ihre Strategie. Er sei sich sicher, einen gemeinsamen Weg finden zu können.

In einer Reaktion auf die Rede hat China den Iran zu neuen Gesprächen über sein Atomprogramm aufgefordert. "Die iranische Atomfrage hat eine neue, entscheidende Phase erreicht", sagte Außenminister Jang Jiechi vor der UN-Vollversammlung in New York. Die beteiligten Parteien sollten so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch zurückkehren. Die um eine Lösung des Atomstreits bemühten fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats - neben China die USA, Russland, Frankreich sowie Großbritannien - sowie Deutschland hatten zuvor über den Stand des Konflikts beraten.

Nach seiner Ansprache traf Netanjahu für 75 Minuten mit US-Außenministerin Hillary Clinton zusammen. Die Verbündeten sind sich uneins über ihr weiteres Vorgehen gegen den Iran. In Israel gab es enttäuschte Reaktionen darauf, dass Präsident Barack Obama bei seinem Auftritt vor der UN-Vollversammlung der Islamischen Republik kein klares Ultimatum im Atomstreit gesetzt hatte. Der im November um seine Wiederwahl kämpfende US-Präsident hatte allerdings deutlich gemacht, dass die Zeit für die Diplomatie nicht unbegrenzt sei.

Israel fühlt sich durch das iranische Atomprogramm bedroht und schließt eine Militäraktion nicht aus. Ein Angriff auf den Iran ist aber auch in Israel umstritten: Einer Umfrage für die Zeitung "Haaretz" zufolge fürchten 50 Prozent der Israelis für den Fall einer Konfrontation um das Überleben ihres Landes.

Die Führung in Teheran bestreitet das Streben nach Atomwaffen, verweigert aber Kontrollen und nährt damit den Verdacht der Weltgemeinschaft. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte am Mittwoch vor der Vollversammlung erklärt, "unzivilisierte Zionisten" drohten seinem Land Angriffe an. Anfang der Woche hatte er gesagt, die Israelis lebten nur seit 70 Jahren auf dem Gebiet.

Israels Präsident Schimon Peres entgegnete darauf am Donnerstag in Jerusalem, Ahmadinedschads Mangel an Geschichtswissen sei peinlich. "Die Juden leben seit Tausenden Jahren auf dem israelischen Boden und es gibt keine Lüge und keinen Staatschef, der Kapitel der Geschichte löschen kann." Er werde UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bitten, Ahmadinedschad ein Geschichtsbuch zukommen zu lassen, sagte Peres.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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