Atomstreit
Nordkorea torpediert neue Atomgespräche

Vergeblich versuchten die USA, Nordkorea mit einer Mischung aus Druck und in Aussicht gestellter Wirtschaftshilfen von seinem Atomprogramm abzubringen. Jetzt fordert die US-Regierung auch die Nachbarstaaten zu Sanktionen gegen das kommunistische Land auf.

HB PHUKET. Der nordkoreanische Diplomat Ri Hong Sik bekräftigte bei der Südostasiatischen Sicherheitskonferenz auf Phuket in Thailand, dass die sogenannten Sechser-Gespräche nicht fortgesetzt werden. "Die feindliche US-Politik ist der Grund für die derzeitige Krise", sagte Ri. Gespräche über das Atomprogramm seien nur dann "möglich", wenn Washington zuvor seine "feindliche Politik unverzüglich einstellt". Die Sechs-Nationen-Gespräche mit Nord- und Südkorea, Japan, China, Russland und den Vereinigten Staaten bezeichnete Ri als "bereits tot". US-Außenministerin Hillary Clinton, die ebenfalls an der Konferenz teilnahm, bedauerte, dass Nordkorea "keine Bereitschaft bekundet, den Weg der Denuklearisierung zu gehen".

Das Regime in Pjöngjang hatte im April seinen unwiderruflichen Rückzug von den seit 2003 laufenden Sechs-Parteien-Gesprächen über den Abbau des Atomwaffenprogramms erklärt. Das kommunistische Land reagierte damit auf die Verurteilung des Starts einer nordkoreanischen Langstreckenrakete durch den Weltsicherheitsrat. Die USA hatten daraufhin ein Paket mit Anreizen für Nordkorea vorgeschlagen. Clinton bekräftigte auf Phuket, dass ihre Regierung im Gegenzug für eine "unumkehrbare Denuklearisierung" Nordkoreas weiterhin zu Wirtschaftshilfen und einer Normalisierung der Beziehungen bereit sei. Auf der Sicherheitskonferenz waren 26 Außenminister vertreten, darunter die der zehn Mitglieder der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN.

Clinton zeigte sich besorgt, dass Nordkoreas Streben nach Atomwaffen einen Rüstungswettlauf in Asien auslösen könnte. "Unsere Partner in der Region verstehen, dass ein nukleares Nordkorea weitreichende Folgen für die Sicherheit in Nordost-Asien haben wird", sagte sie. Die Teilnehmerländer forderte sie auf, den Druck auf das kommunistische Land zu erhöhen, sein Atomprogramm aufzugeben. Nordkorea sei inzwischen isoliert, erklärte die Ministerin. Das Land habe "keine Freunde" mehr, die es vor den Sanktionen schützen würde, mit denen die internationale Gemeinschaft Nordkorea zu einem Kurswechsel bewegen wolle. "Die USA werden auch künftig alle Kanäle nutzen, um Nordkorea zu überzeugen, sein Nuklearprogramm aufzugeben und die Beziehungen mit der Welt zu normalisieren", sagte die Ministerin. Die ASEAN könne eine dabei "wichtige Rolle" spielen.

Unterdessen schoss das nordkoreanische Außenministerium verbal gegen Clinton zurück, die Nordkorea in dieser Woche in einem Fernsehinterview mit einem "kleinen Kind" verglichen hatte, das Aufmerksamkeit auf sich lenken wolle. "Manchmal ist sie (Clinton) wie ein kleines Schulmädchen und manchmal wie eine Rentnerin, die einkaufen geht", wurde ein Ministeriumssprecher von den staatlichen nordkoreanischen Medien zitiert. Clinton sei eine "sonderbare Frau" die sich der elementaren Etikette in der internationalen Gemeinschaft nicht bewusst sei.

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