Atomstreit
Russlands Iran-Initiative bekommt eine Chance

Die EU und die USA haben sich entschlossen, den Atomstreit mit dem Iran zunächst nicht vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu bringen. Zunächst soll abgewartet werden, ob Russland die Mullahs zum Einlenken bewegen kann.

HB WIEN. Aus diplomatischen Kreisen in Wien hieß es, man wolle Moskau mehr Zeit für einen Kompromiss mit Teheran geben. Russland will Iran dazu bringen, auf die Anreicherung von Uran im eigenen Land zu verzichten. Vor allem der Westen befürchtet, dass Teheran hoch angereichertes Uran für Atomwaffen herstellen könnte.

In Wien trifft sich am Donnerstag der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO). Das Gremium hatte im September in einer scharf formulierten Resolution Verstöße Teherans gegen den Atomwaffen-Sperrvertrag festgestellt, die nach den Regeln der UN-Behörde eigentlich dem Sicherheitsrat gemeldet werden müssten, der dann Sanktionen beschließen könnte.

Auch US-Außenamtssprecher Sean McCormack sagte in Washington, dass vorerst abgewartet werden solle, "was die Diplomatie in den nächsten Tagen erbringt." Grundsätzlich sei Washington aber weiter der Überzeugung, dass der Fall vor den Weltsicherheitsrat gebracht werden sollte. "Wir glauben angesichts des iranischen Verhaltens in der Vergangenheit, dass der Rat eingeschaltet werden sollte", erklärte McCormack. "Wir werden uns das Recht vorbehalten, einen entsprechenden Vorstoß zu einem Zeitpunkt unserer Wahl zu unternehmen."

Russland hat vorgeschlagen, die Urananreicherung selbst in Russland vorzunehmen, Iran aber die Umwandlung von Uranerz in das Gas Uran-Hexafluorid zu gestatten, aus dem dann das angereicherte Uran hergestellt wird. US-Präsident George W. Bush hatte diesen Vorschlag vergangene Woche in Seoul als "interessant" bezeichnet und empfohlen, "ihn weiter zu verfolgen".

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