Atomtest in Nordkorea
Größere Sprengkraft als die Hiroshima-Bombe

Pjöngjang meldet seinen fünften Atomwaffentest. Experten zufolge war die Sprengkraft größer als bei der Bombe in Hiroshima. Berlin verurteilt den Test als „Provokation“ und bestellt den Botschafter ein.

Tokio/SeoulNordkorea hat seinen fünften Atomtest gemeldet. Dabei sei ein „nuklearer Atomsprengkopf“ mit Erfolg zur Explosion gebracht worden, berichtete das Staatsfernsehen am Freitag, dem 68. Jahrestag der Staatsgründung. Das Land rechtfertigt den Test als Teil seiner Gegenmaßnahmen gegen die Bedrohung durch die USA. Das Land beansprucht, nun die Atomwaffen so weit verkleinern zu können, dass sie auch auf Raketen passen.

Die Sprengkraft war Experten zufolge gewaltiger als bei allen anderen Tests zuvor. Jeffrey Lewis vom Middlebury Institut Internationaler Studien in Kalifornien schätzte sie auf 20 bis 30 Kilotonnen. Das wäre mehr als die Bombe auf die japanische Stadt Hiroshima. Südkoreas Militär ging der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge vorerst von zehn Kilotonnen aus.

US-Präsident Barack Obama warnte Pjöngjang vor „ernsthaften Konsequenzen“. Obama habe mit den Regierungschefs von Südkorea und Japan telefoniert, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, am Freitag in Washington. Der US-Präsident werde in den kommenden Tagen „weiter mit unseren Verbündeten und Partnern beraten, um sicherzustellen, dass provokativen Aktionen Nordkoreas mit ernsthaften Konsequenzen begegnet wird“.

Auch China verurteilte den Atomwaffentest auf das Schärfste. Nordkorea habe „trotz breiten internationalen Widerspruchs erneut einen Atomtest ausgeführt - die chinesische Regierung lehnt dies entschieden ab“, erklärte das Außenministerium in Peking auf seiner Website.

Die Bundesregierung sprach von einer „Provokation“. Die Regierung in Pjöngjang versuche, Südostasien „in unverantwortlicher Weise“ zu destabilisieren, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Er fordere Nordkorea auf, den Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats Folge zu leisten. Deutschland setze sich dafür ein, dass die internationale Gemeinschaft nun entschieden und unmissverständlich reagiere. Das Auswärtige Amt kündigte an, den nordkoreanischen Botschafter in Berlin einzubestellen.

Der Uno-Sicherheitsrat sei das geeignete Gremium, um die richtige Antwort zu geben, sagte Ministeriumssprecher Martin Schäfer. Entsprechend müsse die oberste Instanz der Vereinten Nationen schnellstmöglich zusammenkommen.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bezeichnete den mutmaßlich fünften Atomwaffentest Nordkoreas als „zutiefst beunruhigenden und bedauerlichen Akt“. „Dies ist eine klare Verletzung zahlreicher Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats und eine vollständige Missachtung der wiederholten Forderungen der internationalen Gemeinschaft“, erklärte IAEA Chef Yukiya Amano in Wien.

Auch Anleger reagierten besorgt auf die Berichte. Die Börsen in Fernost tendierten am Freitag überwiegend im Minus. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index fiel bis Mittag um 0,2 Prozent auf 16.926 Punkte. Der breiter gefasste Topix gab 0,3 Prozent nach auf 1342 Zähler. Der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik unter Ausschluss Japans gab um 0,7 Prozent nach. Der südkoreanische Kospi verlor 1,3 Prozent.

Nordkorea hat in diesem Jahr trotz scharfer internationaler Proteste auch mehrere Raketenstarts unternommen. Erst am Montag feuerte es während des G20-Gipfels im benachbarten China drei Geschosse ab, die nach südkoreanischen Angaben bis in den japanischen Luftverteidigungsraum flogen, bevor sie ins Meer stürzten. Das politisch und wirtschaftlich nahezu vollkommen isolierte Land missachtete mit den Tests ebenfalls Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats.

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