Atomversuch: Nordkorea bringt (fast) alle gegen sich auf

Atomversuch
Nordkorea bringt (fast) alle gegen sich auf

Der jüngste nordkoreanische Atomtest hat international Kritik ausgelöst. In Deutschland hält man eine geschlossene internationale Antwort für nötig. Und wie reagiert Nordkorea? Es kündigt noch „stärkere“ Aktionen an.
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BerlinMit großer Empörung hat der Westen auf den jüngsten nordkoreanischen Atomtest reagiert. Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte eine deutliche Reaktion der internationalen Gemeinschaft. Dazu sollten auch weitere Sanktionen gegen das Regime in Pjöngjang in Betracht gezogen werden, sagte der FDP-Politiker in Berlin. Der mittlerweile dritte Atomwaffenversuch sei ein eklatanter Verstoß gegen Resolutionen des Uno-Sicherheitsrates. Das höchste Gremium der Vereinten Nationen kommt im Laufe des Tages zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Auch die USA, Russland, England und Frankreich hatten den Atomtest verurteilt.

Die geballte internationale Kritik prallt an Nordkorea ab. Stattdessen droht das Regime mit „noch stärkeren“ Aktionen. Sollten die USA die Lage „mit fortgesetzter Feindseligkeit“ noch komplizierter machen, „dann haben wir keine andere Wahl als in einem zweiten oder dritten Schritt eine noch stärkere Aktion auszuführen“, erklärte das nordkoreanische Außenministerium in einer am Dienstag von der offiziellen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Mitteilung. Der jüngste Atomwaffentest sei nur „ein erster“ Schritt gewesen, „mit dem wir soviel Zurückhaltung geübt haben wie möglich“, hieß es in der Erklärung weiter.

Der CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder erwartet nun eine geschlossene internationale Antwort auf den Atomtest. Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un führe mit dem Atomtest den Konfrontationskurs seines Vaters fort, der das Land in die Isolation getrieben habe. „Die internationale Gemeinschaft wird dieses Vorgehen nicht akzeptieren und rückt im Weltsicherheitsrat immer enger zusammen“, sagte Mißfelder Handelsblatt Online. Es sei ein „gravierender Fehler eines irrationalen Regimes“, mit immer neuen Provokationen gegen geltende Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats zu verstoßen. „So wird jede Hoffnung auf eine positive Entwicklung in Nordkorea zunichte gemacht“, konstatierte der CDU-Politiker. Kim Jong-Un nehme auf diese Weise die 24 Millionen Bewohner des Landes „in Geiselhaft und gibt sie Armut, Hunger und dem Tode preis“.

Der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich hält auch Konsequenzen für die Bundesregierung für nötig. Er forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, die Rüstungspolitik ihrer Regierung zu überdenken. Er nahm dabei auf die Politik von US-Präsident Barack Obama Bezug. Wie notwendig sein Einsatz für eine kernwaffenfreie Welt sei, habe der Atomtest Pjöngjangs erneut deutlich gemacht.

„Auch die Bundeskanzlerin sollte dies endlich erkennen und daraus die richtige Lehre ziehen“, sagte Mützenich Handelsblatt Online. „Der ohnehin umfangreiche Waffenhandel darf nicht durch unverantwortliche Rüstungslieferungen in alle Welt weiter befördert werden.“ Internationale Rüstungskontrolle und Abrüstung seien jetzt „notwendiger denn je“.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), fordert eine weitere Verschärfung der Sanktionen. Polenz sieht auch China in der Pflicht, Strafmaßnahmen zu verhängen. Vor dem Hintergrund, dass Nordkorea und China jeweils eine neue Führung haben, sei der Atomtest „auch als Signal des Selbstbewusstseins von Nordkorea gegenüber China zu werten und als Test, wie weit man ungestraft gehen kann“, sagte Polenz Handelsblatt Online. „Es ist deshalb wichtig, dass China sich zu einer für Nordkorea fühlbaren Reaktion entschließt und auch zu wirtschaftlichen Sanktionen greift.“

Nordkorea provoziere mit dem Atomtest aber nicht nur die Nachbarstaaten in der Region, sondern den Uno-Sicherheitsrat und die Weltgemeinschaft, die auf atomare Abrüstung hoffe, sagte Polenz weiter. „Angesichts der Spannungen in der Region spielt Nordkorea mit dem Feuer“, warnte der Außenpolitiker. Polenz fügte hinzu: „Der Uno-Sicherheitsrat muss durch eine klare Verurteilung des Atomtests und eine weitere Verschärfung der Sanktionen deutlich machen, dass Nordkorea harte Konsequenzen tragen muss, wenn es gegen Resolutionen des Sicherheitsrats verstößt.“

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USA sehen gesamte Region gefährdet

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  • Länder DIE NICHT UN GERICHTE und UN RESOLUTIONEN AKZEPTIEREN , wollen andre Länder BENUTZEN , dass ein Land UNTERDRÜCKEN ; WAS UM SOUVERÄNITÄT KÄMPFT . . . .

  • @Harlemjump: Mit Ver- und Geboten ist nix zu machen, oder glauben Sie daran, wenn Sie dem Gras befehlen, doppelt so schnell zu wachsen, das das Gras ihrem Befehl folgt, auch wenn Sie mit Strafe drohen? Deshalb halte ich ihren Kommentar für sinnlos. Nehmen Sie doch die Realität war, d.h. Israel und andere haben längst die Atomwaffen, können diese aber nicht einsetzen, weil die Gegenseite ebenfalls welche hat! Wir Schachspieler sprechen dann von totem Remis.

  • könnte es nicht besser ausdrücken!

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