Atomversuch
Nordkoreas Test, Bushs Ohnmacht

Der Atomtest Nordkoreas ist auch eine Niederlage für US-Präsident George Bush: Die Nuklearexplosion belegt das Scheitern der amerikanischen Außenpolitik, die seit Jahren mit China, Russland, Japan und Südkorea eine Nuklearmacht Nordkorea verhindern wollte. Und es wird deutlich, dass die USA kaum Druckmittel gegen die rote Diktatur haben.

HB WASHINGTON. Bush hat zwar betont, dass die USA „ein nukleares Nordkorea nicht tolerieren werden“. Allerdings „hat er nicht definiert, was er mit „toleriert' meint“, analysierte die „New York Times“ nüchtern. Auch in seiner ersten Reaktion auf den Nukleartest sprach Bush von einem „nicht akzeptablen Akt“ - ohne aber einen Weg zu weisen, wie Nordkorea in die Schranken verwiesen werden könnte.

Politische Falken wie der neokonservative Publizist Bill Kristol wetterten im Fernsehsender Fox News nun zwar gegen diese „ewige Diplomatie“. Washington müsse Nationen wie Nordkorea oder den Iran „den Preis für ihre Politik zahlen lassen“. Die USA müssten Ernst machen mit der Destabilisierung und einem Regimewechsel in Nordkorea, forderte Kristol, der auch Militärschläge für realistisch hält. Aber derzeit sind die Rechten in Washington in der Defensive. Allerdings bezweifeln auch die Gemäßigten, ob Sanktionen viel bewirken könnten - denn ein militärischer Einsatz wird in Washington ausgeschlossen.

Vielmehr fürchten viele in der US-Hauptstadt, dass die Supermacht sich gegenüber dem Regime von Kim Jong Il einmal mehr als Papiertiger erweisen wird. Denn eine weitere Beschränkung des internationalen Finanzverkehrs oder Seeblockaden könnten nach Einschätzung von US-Diplomaten zwar dramatische Folgen für die Bevölkerung in dem bitter armen Land haben. Aber die Aussichten seien gering, Kim Jong Il damit von seinem Kurs abzubringen - allein China habe die Mittel, Pjöngjang zur Räson zu bringen. Aber daran glauben in den USA nur wenige.

Wieder einmal scheinen die Kritiker der Bush-Politik Recht zu bekommen. Regierung und Opposition in den USA sind sich einig, dass der Test nachhaltig die Stabilität in Südostasien bedroht und andere Staaten der Region zu einem gefährlichen Rüstungswettlauf verführen könnte. Nicht nur Bush fürchtet, dass Nordkorea sein nukleares Wissen an Teheran - oder noch schlimmer - El Kaida verkaufen könnte.

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