"Atta hatte das Sagen"
Zeuge entlastet Motassadeq

Im erneuten Prozess um die Anschläge vom 11. September 2001 hat ein aus dem Sudan stammender Zeuge den mutmaßlichen Terrorhelfer Mounir El Motassadeq als religiös gemäßigt charakterisiert. „Eine starke Veränderung ins Fanatische habe ich nicht bei ihm festgestellt“, sagte der frühere Nachbar Motassadeqs, ein 30-jähriger Student, am Mittwoch vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht. Er widersprach damit einer früheren Aussage, in der er den Angeklagten als „krass islamistisch“ bezeichnet hatte. DIese Aussage zog er vor Gericht ausdrücklich zurück

HB HAMBURG. „Ich glaube, dass Mounir nichts mit dem World Trade Center zu tun hatte“, sagte der Sudanese, der bereits beim ersten Prozess vor zwei Jahren ausgesagt hatte. Er habe nicht den Eindruck, dass Motassadeq zu solch einer Tat fähig wäre. Zuvor hatte der Zeuge bereits gesagt, dass er bei Motassadeq während seiner Bekanntschaft in den späten 90-er Jahren keinerlei erkennbare Hinwendung zum moslemischen Extremismus beobachtet habe. Ihn habe es überrascht, als er von Motassadeqs Aufenthalt in einem Ausbildungslager der El-Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden in Afghanistan erfahren habe.

Der Zeuge hatte Motassadeq nach eigenen Angaben 1997 bei der Wohnungssuche im Studentenwerk in Hamburg kennengelernt und war seitdem mit ihm befreundet. 1998 verließ er Hamburg und zog nach eigenen Angaben nach Berlin, weil es zu Spannungen mit dem späteren Selbstmordpiloten Mohammed Atta gekommen sei. Mit dessen aggressiver Religiosität sei er nicht zurecht gekommen, sagte der Sudanese. In der Gruppe moslemischer Studenten in der Harburger Marienstraße habe Atta das Sagen gehabt.

Am Vortag hatte ein anderer Zeuge Motassadeq zum engeren Kreis um die späteren Todespiloten Atta, Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah gezählt. Atta und Alshehhi hatten bei den Anschlägen vor knapp drei Jahren am Steuer der beiden vollbesetzten Passagierflugzeugen gesessen, die in das World Trade Center in New York rasten. Jarrah saß vermutlich am Steuer der Maschine, die in Pennsylvania abstürzte.

Motassadeq ist erneut wegen Beihilfe zum Mord an über 3 000 Menschen sowie der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Er war in Hamburg als weltweit erster Angeklagter wegen Beteiligung an den Anschlägen zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aber später mit der Begründung auf, dass möglicherweise entlastende Zeugenaussagen nicht berücksichtigt wurden. Im April 2004 kam Motassadeq daraufhin unter Auflagen aus dem Gefängnis frei. Das Verfahren gegen ihn wird nun vor einem anderen Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamburg neu aufgerollt.

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