Attacke aus Teheran
Iran droht EU mit Embargo

Vizepräsident Rahimi will auf die europäischen Wirtschaftssanktionen mit einem Boykott des Euros und Werbeverboten antworten. In Brüssel reagierte man auf die Attacke aus Teheran eher gelassen.
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BRÜSSEL. Zwei Wochen nach den bisher schärfsten EU-Sanktionen gegen das iranische Atomprogramm hat die Regierung in Teheran mit Vergeltung gedroht. Man werde internationale Geschäfte künftig nicht mehr in Euro oder Dollar abwickeln, kündigte Vizepräsident Mohammed Resa Rahimi an. Dies gelte auch für Geschäfte auf dem Ölmarkt. Außerdem sprach sich der Stellvertreter von Präsident Mahmud Ahmadinedschad für ein Werbeverbot für deutsche, englische und südkoreanische Produkte aus. Die "Waren der Feinde" sollen zudem mit einer Strafsteuer belegt werden.

Wann das Embargo in Kraft tritt, ließ Rahimi offen. Die EU hatte Ende Juli beschlossen, dem Beispiel der USA zu folgen und die Schlüsselsektoren der iranischen Wirtschaft mit Sanktionen zu belegen. Die Strafmaßnahmen treffen die Energie-, Finanz- und Transportbranche des Landes.

Gegen "schmutzige Währungen" Die EU-Außenminister beschlossen zudem, Investitionen in die iranische Öl- und Gasindustrie zu verbieten. Sie wollen Teheran damit zu Verhandlungen über sein umstrittenes Atomprogramm bewegen. Der Westen wirft Iran vor, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomenergie an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten.

Ahmadinedschad hatte sich zunächst über die "bedeutungslosen" Sanktionen lustig gemacht. Doch nun zeigen die Strafmaßnahmen offenbar doch Wirkung. Vizepräsident Rahimi schimpfte über die "schmutzigen Währungen" Euro und Dollar und forderte, Geschäfte künftig nur noch in den Währungen befreundeter Länder zu machen. Er kündigte zudem an, dass sein Land weniger Waren aus Europa einkaufen werde. 2009 hatte Iran Produkte aus EU-Ländern im Wert von 11,4 Milliarden Euro eingekauft. Durch die Sanktionen würden 200 000 Arbeitsplätze in der EU gefährdet, so Rahimi.

Die EU reagierte gelassen auf die Attacke aus Teheran. Es handele sich um die "übliche Rhetorik", hieß es in Brüsseler EU-Kreisen. EU-Außenvertreterin Catherine Ashton wolle dennoch an ihrem Dialogangebot festhalten.

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  • So ungeschickt sich den Handel mit iran über die UN-Sanktionen hinaus zu verderben waren bisher soweit ich weiß nur die USA, die EU und Kanada. Die ganze restliche Welt - vor allem in direkter Umgebung - wie in diesem Fall die Türkei wissen iran als guten Handels-, investitions- und Wirtschaftspartner zu schätzen. So auch die Pakistanis im Energiebereicht: http://tinyurl.com/37nvl7u
    Und Oman nun offenbar in der militärischen Kooperation ebenso: http://tinyurl.com/32vxms4

    Natürlich wird iran die Sanktionen - gerade der EU - spüren. Aber langfristig hat sich gezeigt, dass Sanktionen den iran in der Hinsicht gestärkt haben, dass er
    1. Autarker in seiner Versorgung wurde, anders gesagt, dass er vieles (zb Autos, Handys, Sateliten etc.) selbst herstellt
    2. gelernt hat, auf wen er sich verlassen kann und dass weniger wirtschaftlich entwickelte Schwellen bzw. schon industrialisierte Länder wie die Türkei, Malaysia, indonesien oder brasilien langfristig als Partner attraktiver sind.



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