Attentat auf Universität
Wieder dutzende Tote im Irak

Ungeachtet der Militär-Offensive gegen Aufständische in Bagdad sind am Sonntag wieder dutzende Menschen bei Anschlägen in der irakischen Hauptstadt getötet worden. Insgesamt starben in dem am Rande des Bürgerkriegs stehendem Land am Wochenende rund 100 Menschen bei Attentaten.

HB BAGDAD/WASHINGTON. Beim schwersten Zwischenfall starben am Sonntag in Bagdad nach Angaben aus Krankenhauskreisen mindestens 40 Menschen, rund 70 wurden verletzt. Ein Selbstmordattentäter hatte sich vor der Mustansarija- Universität in Bagdad in die Luft gejagt. Die meisten Opfer waren Studenten. Bereits am Samstagabend waren in Habbanija, 80 Kilometer westlich von Bagdad, mindestens 37 Menschen getötet worden, als ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen vor einer Moschee explodierte. Mindestens weitere 16 Menschen kamen am Wochenende in Bagdad bei einem halben Dutzend Autobomben- und Granatenanschlägen ums Leben.

Die neue Gewaltwelle stand in starkem Kontrast zu den Erklärungen des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki, der am Samstag die „positiven Ergebnisse“ der neuen Bagdad-Offensive gepriesen hatte. Rund 400 Aufständische seien getötet und 426 festgenommen worden, sagte Al-Maliki bei einem Besuch der für die Offensive eingerichteten amerikanisch-irakischen Kommandozentrale. Die seit elf Tagen anhaltenden Aktionen hätten dazu geführt, dass „mehrere Terroristen- Zellen zerschlagen wurden“.

Spannungen zwischen USA und Irak

Zwischen den USA und der irakischen Regierung ist es nach einem Zeitungsbericht zu ernsthaften Spannungen über den Umgang mit ehemaligen Parteigängern des früheren Machthabers Saddam Hussein gekommen. Die Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki weigere sich, ein Reformvorhaben umzusetzen, das die US-Regierung als grundlegend für ein Ende der Gewalt erachte, berichtete die „Los Angeles Times“ am Samstag.

Entgegen allen Zusagen von Al-Maliki stecke die Reform des entsprechenden Gesetzes von 2003 fest, mit der vielen Mitgliedern der ehemaligen Baath-Partei von Saddam die Rückkehr in die staatliche Verwaltung oder die Armee ermöglicht werden solle. Die beiden größten und einflussreichsten Schiiten-Parteien im Irak lehnten die Reform zur Wiedereingliederung von ehemaligen Parteigängern des Ende 2006 hingerichteten Saddam ab.

Aus Sicht der US-Regierung haben diese Reform sowie ein Gesetz über die künftige Aufteilung der Einkünfte aus der Erdölförderung absoluten Vorrang, um die sunnitische Minderheit von einer fairen Behandlung im neuen Irak zu überzeugen. Darüber hinaus will der neue US-Oberkommandierende im Irak, General David Petraeus, ehemalige Offiziere der mittleren Dienstebene wieder in die reguläre irakische Armee eingliedern, nachdem viele die Aufständischen unterstützt haben.

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