Attentat von San Bernardino
Terror für Trump

Durch die Attentate von San Bernardino und Paris könnte die Stimmung im hitzigen US-Vorwahlkampf kippen – zugunsten des Radikalismus. Republikaner Trump räumt ein: Bei solchen Tragödien „gehen meine Umfragewerte hoch“.

San FranciscoMit furchtbarer Gewalt ist der globale Terrorkrieg über das beschauliche San Bernardino im kalifornischen Süden hereingebrochen, und niemand weiß, wie man damit umgehen soll. Amerika ist verwirrt und verstört. Nicht, weil es noch nie Terroranschläge gegeben hätte.

Aber in San Bernardino gibt es nichts, was den Terror hätte anziehen können – keine Twin Towers, keine Armeebasis, keine Ministerien. Nur gepflegte Vorstadt-Langeweile und normales Alltagsleben für 200.000 Einwohner. Das sorgt für Gänsehaut an amerikanischen Stammtischen. Niemand mehr nirgendwo sicher – das ist die Botschaft, die mitschwingt. Zusammen mit den Anschlägen von Paris könnte San Bernardino die entscheidende Wende und Verschärfung im Umgang mit Radikalismus eingeleitet haben.

Für den republikanischen Präsidentschaftsanwärter Donald Trump jedenfalls hätte es nicht besser kommen können. FBI-Agent David Bowdich sprach auf einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag in Los Angeles das aus, was Trumps politischen Gegnern mit einem Schlag den Wind aus den Segeln nahm: „Ab heute, auf Basis dessen was wir bis jetzt wissen, werden wir die Schießerei in San Bernardino, der 14 Menschen zum Opfer gefallen sind und 21 verwundet wurden, als einen Terrorakt behandeln“.

Die Behörden konzentrieren sich dabei offenbar immer mehr auf die 27 Jahre alte Tashfeen Malik aus Pakistan, die bei einem Schusswechsel zusammen mit ihrem Mann Syed Farook getötet worden war. Sie soll der Terrororganisation IS in einem früheren Facebook-Post die Treue geschworen haben.

Das FBI betont allerdings, dass es derzeit keine Hinweise gebe, dass die Tat vom IS in irgendeiner Weise befohlen oder vorbereitet worden sei. Der 28 Jahre alte Ehemann, geboren in den USA, hat scheinbar eine Radikalislamistin geheiratet und in die USA gebracht. Die zunehmende Radikalisierung des Ehepaars, in dessen Haus Rohrbomben gefunden wurden, war offenbar auch den engsten Familienmitgliedern verborgen geblieben.

Der Umschwung vom Verbrechen zum Terrorakt ist Wasser auf die Mühlen aller republikanischer Kandidaten. Aber der größte Gewinner heißt Trump. Er ist unangefochtener Spitzenreiter im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Schon sehr früh nach der Tragödie am Mittwoch hatte er alles auf die Terrorkarte gesetzt – und offenbar gewonnen. Die Verlierer sind die demokratischen Gegenkandidaten, an der Spitze Hillary Clinton. Die hatten zunächst noch gebetsmühlenartig nach schärferen Waffengesetzen gerufen. Doch jetzt sehen sie als zu schwach und nachgiebig mit dem Terror aus.

Trump hat wieder einmal die Stimmung im Lande auf seiner Seite, und er weiß es. „Es ist traurig“, konstatiert er im TV-Sender ABC, „aber jedes Mal, wenn es so eine Tragödie gibt, gehen meine Umfragewerte hoch. Die Menschen fühlen, dass ich mich um sie kümmern werde, und sie wollen Stärke.“ Tatsächlich zeigte eine aktuelle Umfrage von CNN – die vor dem Massaker in San Bernardino, aber nach einer Schießerei kurz zuvor in einer Abtreibungsklinik durchgeführt wurde – eine Zustimmungsrate von 36 Prozent unter republikanischen Wählern.

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