Attentate in Istanbul
Terroristen zielen auf Türkei-Tourismus

Die Bombenanschläge auf zwei Istanbuler Hotels und eine Flüssiggas-Anlage zielen offenbar auf die türkische Fremdenverkehrswirtschaft. Es gehe den Tätern darum, „das Bild Istanbuls zu beschädigen“, sagte Innenminister Abdülkadir Aksu am Dienstag nach einer Besichtigung der Tatorte.

ghö ISTANBUL. In der Zwischenzeit hat sich eine Gruppe mit angeblichen Verbindungen zur El-Kaida-Organisation zu den Anschlägen bekannt. In einer auf einer islamischen Internetseite veröffentlichten Erklärung kündigten die Abu Hafs (al-Masri) Brigaden am Dienstag zudem weitere Anschläge gegen europäische Länder an. Das Attentat in Istanbul sei nur der Beginn einer Serie gewesen, heißt es darin.

Bei den Attentaten auf zwei Hotels in den Stadtteilen Laleli und Sultanahmet waren in der Nacht zum Dienstag zwei Gäste, ein Türke und ein Iraner, getötet worden. 13 Hotelgäste erlitten Verletzungen. Die betroffenen Hotels, das Star Holiday in Sultanahmet und das Pars Hotel in Laleli, sind preiswerte Unterkünfte. Sie werden vor allem von Geschäftsreisenden und Touristengruppen aus Osteuropa, Mittelasien und Iran frequentiert. Dass sich die Täter diese Häuser als Ziele aussuchten, könnte mit den strikten Sicherheitsvorkehrungen der großen Istanbuler Hotels zu erklären sein.

Den Anschlag auf das Pars Hotel hatte zehn Minuten vor der Detonation ein anonymer Anrufer angekündigt. Die Zeit reichte nicht, das sechsstöckige Gebäude zu durchsuchen und alle 37 Gäste nach draußen zu bringen. Kurz nach den zeitgleich verübten Anschlägen auf die Hotels explodierten in einer Flüssiggas-Abfüllanlage in einem Istanbuler Vorort zwei Sprengsätze; es blieb bei Sachschaden.

Die türkischen Ermittler hatten die Täter gestern morgen noch in Kreisen der verbotenen kurdischen Extremistengruppe Kongra-Gel (Volkskongress Kurdistan), einer Nachfolgeorganisation der PKK, vermutet. Sie hatte Anfang Juni einen fünf Jahre zuvor einseitig ausgerufenen Waffenstillstand aufgekündigt und insbesondere ausländische Touristen und Investoren gewarnt, die Türkei sei von nun an „eine gefährliche Region“. Seit dem Ende der Waffenruhe kommt es in den Kurdengebieten immer häufiger zu Überfällen kurdischer Rebellen.

In der Touristikbranche haben die Attentate Besorgnis, aber keine Panik ausgelöst. Die Fremdenverkehrswirtschaft hat schon sehr viel dramatischere Terrorakte relativ schadlos überstanden, wie die Istanbuler Anschläge vom November 2003, bei denen über 60 Menschen starben. Damals knickte die Tourismus-Konjunktur nur kurzfristig ein.

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