Attentats-Zeugen berichten
„Es sah aus, als habe er Spaß“

Fast 100 Menschen sind bei der Bombenexplosion und dem folgenden Massaker in Norwegen ums Leben gekommen. Besonders die Jugendlichen auf der Ferieninsel Utøya erlebten grausame Stunden.
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Oslo/Sundvoll
Die Explosion der Osloer Bombe, die der 32jährige Norweger Anders Behring Breivik gebaut hat, tötet am Freitag Nachmittag sieben Menschen, mehrere Gebäude werden zerstört, Chaos bricht aus. Der mutmaßliche Täter ist da schon auf dem Weg zur etwa 30 Kilometer entfernten Insel Utöya, wo etwa 600 Jugendliche an einem Zeltlager der regierenden Arbeiterpartei teilnehmen. Um möglichst viele potenzielle Opfer in seine Nähe zu locken, hat sich B. B. laut Zeugenaussagen extra einen Polizeipullover angezogen. Er habe gesagt: "Kommt zu mir, ich habe wichtige Informationen, kommt zu mir, es besteht keine Gefahr", berichtet beispielsweise die 15-jährige Elise. Dann eröffnet der Mann aus zwei Waffen das Feuer.

Die folgenden Zeugenaussagen wurden dokumentiert von der Nachrichtenagentur dpa und dem norwegische Fernsehsender NRK:

Peter Linge Hessen: „Dann rief ein Kumpel, dass wir um unser Leben rennen müssen. Wir haben alle Kleidung mit starken Farben ausgezogen. Ich hörte Leute zum Wasser rennen, habe sie aber nie schwimmen gesehen. Ich hörte den Attentäter schießen und fragte mich, wann ihm die Munition ausgeht, aber das passierte nicht. Ich habe versucht zu schwimmen - auf dem Rücken, damit ich sehen konnte, was auf der Insel passiert. zehn bis 20 Körper lagen da. Sie bewegten sich nicht. Ich weiß nicht, ob sie sich versteckten oder tot waren.“

Magnus Stenseth (18), Regionalleiter der Jugendorganisation AUF: „Er kam den Hügel hoch und war nur 20 Meter von mir entfernt. Ich sah ihm genau in die Augen, er lud die Waffe, richtete sie auch mich und einige andere und schoss. Ich weiß nicht, ob jemand getroffen wurde. Es sah aus, als habe er Spaß. Das macht alles noch schlimmer. Er lief über die Insel als sei er allmächtig. Und das war er auch, weil wir wehrlos waren.“

Prableen Kaur vom Osloer AUF: „Ich habe Mama angerufen und gesagt, dass wir uns vielleicht nie wieder sehen und dass ich sie liebe. Sie weinte, das tat weh. Andere sprangen ins Wasser. Ich blieb liegen, das Handy in der Hand. Ich lag auf einer Leiche, zwei andere Tote auf meinen Beinen.“

Camporganisator Adrian Pracon (21): „Wir dachten, es wäre gut, die Polizei auf der Insel zu haben. Bis der Polizist plötzlich anfing, auf Leute zu schießen. Er stand da und zielte mit dem Gewehr auf meinen Kopf. Ich flehte, dass er nicht abdrückt. Und er tat es nicht. Er war sehr ruhig, er war entspannt und kontrolliert. Es schien, als kümmerte es ihn gar nicht richtig.“

Nicoline Bjerge Schie (22): „Ich hab ihn nicht gesehen, aber gehört. Er schrie und jubelte und gab mehrere Siegesrufe von sich.“

Thorbjørn Vereide (22): „Er hat darauf geachtet, auf alle immer zweimal zu schießen.“

Campingtouristin Torill Hansen: „Als ich zehn aufgenommen hatte, war das Boot voll. Beinahe kenterte es. Zu bestimmen, wen ich mitnehmen sollte, war schrecklich.“

Bernard Böhmer, Inhaber eines Cafés im Osloer Regierungsviertel: „Das ist unfassbar, zu was Menschen fähig sind. Ich habe den Knall gehört und die Druckwelle auf der Brust gespürt. Ich wurde nach hinten geschleudert. Und ich wusste sofort: Das war keine Gasexplosion, sondern eine Bombe.“

Harald Jakhelln (17): „Ich war während der Bombenexplosion zu Hause, meine ganze Wohnung hat gebebt. Das ist heute wie in einer Geisterstadt.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • It's just one more reason never to trust police. These guys are under-educated and under-trained jerks. You can't get a helicopter? Excuse me. You can't get a boat to the island? Excuse me. Total stupidity that cost dozens of lives.

  • Ministerpräsident Stoltenberg hat heute aber in einer rede gesagt, dass genau das (verschärfte Gesetze) in Norwegen nicht kommt. Er sagte in seiner rede in Oslos Domkirke heute: "Vi er fortsatt rystet av det som traff oss, men vi gir aldri opp våre verdier. Vårt svar er mer demokrati, mer åpenhet og mer humanitet. Men aldri naivitet." D.h. übesetzt: "Wir sind noch immer entsetzt über das was uns traf, aber wir werden niemals unsere Werte aufgeben. Unsere Antwort ist mehr Demokratie, mehr Offenheit und mehr Hamanität. Aber niemals Naivität." (zitiert nach Aftenposten)

  • "Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität, sie sollen durch die praktische Einübung im Alltag gelebt werden."

    Auf wehrlose Jugendliche zu schießen, kann kein Grundideal sein - von niemandem und von nichts.

    Diese Tat ist in der Tat abscheulich und menschenverachtend (ob nun alleine oder nicht) und trifft Norwegen wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

    Der Himmel ist nun mal heiter, weil der Terror, den viele europäische Staaten in Afghanistan und Irak veranstalten, auf die Menschen in Europa abfärbt.

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