Attraktive Steuersätze : Malta bleibt mit seinen Tricks weitgehend unbehelligt

Attraktive Steuersätze
Europa, das Steuerparadies für Unternehmen

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Malta bleibt mit seinen Tricks weitgehend unbehelligt

Weiter westlich im Mittelmeer bleibt Malta mit seinen Tricks weitgehend unbehelligt. Mit einem offiziellen Steuersatz in Höhe von 35 Prozent ist Malta auf den ersten Blick gar kein günstiger Standort für Unternehmen. Doch dank Rückerstattungen an die Aktionäre bleiben unterm Strich nur fünf Prozent Steuerlast. Die EU-Kommission hat offenbar nichts gegen das exotische System einzuwenden.

Auf der Insel, die kleiner als Bremen ist, unterhalten deutsche Unternehmen wie "BASF", "BMW", "Fraport", "Puma" und die "Deutsche Bank" Tochtergesellschaften. Allerdings scheinen sie davon selbst peinlich berührt zu sein. Auf ihren Firmen-Web-Sites lassen die Konzerne ihre maltesischen Töchter gern außen vor. Beim Flughafenbetreiber Fraport hieß es etwa bis zur vorigen Woche: „Hier finden Sie alle unsere Töchter und Beteiligungen und deren Leistungsspektrum im Überblick“; doch die Fraport Malta Ltd. suchte man vergebens.

Milde geht die EU auch mit Irland um. Die Grüne Insel sticht andere Länder mit ihrem niedrigen Steuersatz von 12,5 Prozent aus. Zahlreiche Chemiekonzerne haben deshalb dort Produktions- und Forschungsstätten gegründet. Konzerne wie Apple, Google, Microsoft oder Oracle machen es sich einfacher und richteten lediglich kleine Dependancen ein, die dort ihre Lizenzen verwalten. „Mit hohen Lizenzgebühren können die Konzerne ihre milliardenschweren Gewinne im restlichen Europa abfischen“, erklärt der Wiesbadener Wirtschaftsprofessor Lorenz Jarass.

Zwar versucht Deutschland solche Praktiken zu unterbinden, indem das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) die Verrechnungspreise genau kontrolliert. Dafür soll das Personal bei der Bonner Behörde auch weiter aufgestockt werden, kündigte Schäubles Steuerabteilungsleiter Michael Sell an. Aber das ist nur Flickwerk. Wirksamer wäre es gewesen, die Euro-Staaten hätten vor zwei Jahren die Rettung Irlands (bisher ausgezahlt: 52 Milliarden Euro) mit der Bedingung verknüpft, den nationalen Steuersatz anzuheben. Aber dazu reichten offenkundig Macht und Mut der Retter nicht aus.

Kommentare zu " Attraktive Steuersätze : Europa, das Steuerparadies für Unternehmen"

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  • @conforma
    Effektive Unternehmenssteuersätze:
    Japan(36,5%), USA(36.5%), FR(32.8%), Malta(32.2%), SP(31.9%), DE(28.2%).

  • @987
    Sie sagen:
    "Auch in Deutschland können Ausländer steuerfreie und anonyme Konten eröffnen",
    --Haben Sie einen Link dazu?

  • Zitat:
    Da wird jemand, der etwas leistet, hart arbeitet und einen passenden Lohn verdient, als reich angesehen und ausgepresst, damit Parasiten ... finanziert werden.

    Das ist sehr pauschal gesagt.
    Nicht jeder der hart arbeitet bekommt auch einen passenden Lohn.
    Nicht jeder der viel Geld verdient muss dafür auch hart arbeiten.
    Wenn jemand hart arbeitet und dabei gut verdient heißt das nicht automatisch das dies einen Mehrwert für die Gemeinschaft hat. Es kann sogar das gegenteil der Fall sein !
    UND nicht jeder der Hilfe braucht ist ein Schmarotzer.

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