„Attraktivität des Standorts sinkt“
Investoren wenden sich von der Ukraine ab

Die hohen Schulden in der Ukraine machen das Land aus Expertensicht anfällig für ökonomische und politische Schocks. Bleibt nun auch noch die EU-Annäherung aus, könnten Investoren in großer Zahl abwandern.
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BerlinNach Einschätzung des Osteuropaexperten des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Tobias Baumann, verliert die Ukraine ohne das Assoziierungsabkommen mit der EU zunehmend an Attraktivität für Investoren. Ohne das Assoziierungsabkommen fehlten der Wirtschaft zukünftig „Potenziale, die das Abkommen durch Zollsenkungen und die Übernahme von Normen und Standards freigesetzt hätte“, sagte Baumann Handelsblatt Online. „Zudem sinkt die Attraktivität des Investitions- und Produktionsstandortes Ukraine für Unternehmen aus der EU.“ Die insgesamt negative Tendenz bei Direktinvestitionen werde dann voraussichtlich weiter anhalten.

Die aktuelle Situation beobachteten deutsche Unternehmen „aufmerksam“, sagte Baumann weiter. „Die Betriebe haben langfristig und strategisch investiert und warten daher die aktuellen Entwicklungen der politischen Krise ab.“ Eine mögliche Abwertung der Landeswährung Griwna um 10 bis 15 Prozent sei keine Unbekannte, fügte der DIHK-Experte hinzu. Der Internationale Währungsfonds (IWF) halte dies bereits seit einigen Monaten für angebracht.

Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner der Ukraine. Gemessen an der Größe des osteuropäischen Landes ist das deutsche Handelsvolumen aber unterdurchschnittlich. Zu den wichtigsten deutschen Exportgütern zählen Maschinen, Fahrzeuge, Pharmaprodukte und elektrotechnische Erzeugnisse. Wichtigste ukrainische Ausfuhrgüter sind Textilien, Metalle und Chemieprodukte. Nach Angaben des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft sind knapp 400 deutsche Unternehmen in der Ukraine vertreten. Bei den Direktinvestitionen liegt Deutschland auf Platz zwei hinter Zypern.

Chancen ergeben sich für die deutsche Wirtschaft vor allem im ukrainischen Maschinen- und Anlagenbau. Zudem ist die frühere Sowjet-Republik mit ihren rund 45 Millionen Einwohnern ein potenziell guter Absatzmarkt für Fahrzeuge. Korruption und hohe Verwaltungshürden stehen Investitionen jedoch im Wege.

Rund ein Drittel der ukrainischen Exporte fließt in die EU. Eine engere wirtschaftliche Verknüpfung durch ein Handels- und Assoziierungsabkommen liegt auf Eis, nachdem Präsident Viktor Janukowitsch auf russischen Druck seine Unterschrift verweigerte. Für die EU ist die Ukraine von Bedeutung für die Versorgung mit Erdgas. Rund ein Viertel ihres Gases bezieht die EU aus Russland, die Hälfte davon fließt durch die Ukraine.

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  • Aber doch, nun erst recht - wir, die EU lieben und suchen alle maroden Staaten. Also Ukraine herzlich willkommen, bei Hartz IV sind noch etliche Millionen beschenkbar und der Deutsche Steuerbeiträger blecht gerne noch mal 100 Jahre lang für die clevere Politik seiner 'Führung'. Brüssel muss dann noch etwa 10000 Beamte einstellen und das alles hilft schliesslich die EZ Arbeitslosen Statistik von 12,1% zu senken, obwohl diese (vorübergehend) nach Beitritt auf 22,1% steigen wird. Nach der Ukraine kann sich Belarus auch (erfolgreich) bewerben.

  • Da können aber die Ukrainer froh sein an Attraktivität verloren zu haben. Nochmal Glück gehabt wüde ich sagen. Und bloß nicht von diesen EU-Terroristen aus Brüssel erpressen lassen! Ich denke die Masse der Ukrainer steht auch hinter der Entscheidung sich von der EU abzuwenden - alles andere wäre ökonomischer Selbstmord.

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