Auch Armenien ohne Gas
Georgischer Präsident beschuldigt Russland der Sabotage

Der georgische Präsident Michail Saakaschwili hat Russland vorgeworfen, wie vor kurzem der Ukraine nun seinem Land das Gas abgedreht zu haben. „Diesen Morgen hat es einen ernsten Sabotage-Akt seitens Russlands auf Georgiens Energiesystem gegeben“, sagte Saakaschwili am Sonntag. Explosionen auf russischem Gebiet hatten die wichtigste Pipeline nach Georgien und Armenien lahm gelegt. Behördenvertreter in Russland machten Aufständische verantwortlich. Saakaschwili sprach von Erpressung.

HB TIFLIS. Nach seiner Darstellung stellten die Russen die Lieferungen aber absichtlich ein. So wollten sie Georgien dazu zwingen, das Eigentum an seinem Gasleitungsnetz an Russland zu übertragen. Über ein derartiges Geschäft verhandeln beide Seiten seit langem. „Wir haben es hier wir mit einer skandalösen Erpressung durch Leute zu tun, die sich nicht zivilisiert benehmen wollen“, sagte der Präsident. Er brachte keine Beweise vor. „Wir glauben, dass die Situation nicht politisiert werden sollte“, erklärte der Chefsprecher des russischen Gasmonopolisten Gazprom, Sergej Kuprjanow. In Tiflis kündigte der Konzern an, Georgien nun durch eine andere Pipeline im benachbarten Aserbaidschan zu beliefern.

Saakaschwili kritisierte dagegen, sein Land erleide das gleiche Schicksal wie die Ukraine, der Gazprom im Streit um eine drastische Preiserhöhung in diesem Monat vorübergehend ebenfalls das Gas abgedreht hatte. „Ich glaube, die Welt sollte aufwachen. Gestern war es die Ukraine, heute ist es Georgien und morgen kann es jeden treffen, an den Russland Gas und Strom verkauft.“ Auch Armenien, das an Georgien grenzt, erhält kein Gas mehr, da es auch auf die beschädigte Pipeline angewiesen ist.

Russland habe das Gas ausgerechnet in der kältesten Zeit des Jahres abgestellt, sagte Saakaschwili. Am Sonntag wurden in der Hauptstadt Tiflis des für seine subtropischen Badeorte bekannten Georgiens fünf Grad Celsius unter dem Gefrierpunkt gemessen. Die Gasreserven des Landes reichten nach offiziellen Angaben nur bis Sonntagabend. Die Menschen reihten sich deshalb in lange Schlangen vor Geschäften ein, um Kerosin, Feuerholz und Gasflaschen zu kaufen. Schüler wurden aufgefordert, am Montag zu Hause zu bleiben.

In der Nacht zum Sonntag hatten zwei kurz aufeinander folgende Explosionen die Pipeline in einem Gebirge in der südrussischen Region Nordossetien beschädigt. „Die Reparaturen werden zwei bis drei Tage dauern, das sind die ersten Schätzungen unserer Experten“, sagte Wladimir Iwanow vom für den Katastrophenschutz zuständigen Ministerium in Nordossetien. Die Ermittlungsbehörden konzentrierten sich auf die These, dass die Pipeline absichtlich in die Luft gesprengt wurde.

Russische Nachrichtenagenturen zitierten ungenannte Mitarbeiter der Sicherheitskräfte, dass wahrscheinlich gegen Moskau gerichtete Rebellen Sprengsätze gezündet hätten. In der mehrheitlich moslemischen Kaukasus-Region verüben Aufständische häufig Anschläge. Besonders bekannt ist die Geiselnahme in einer Schule der nordossetischen Stadt Beslan. Dabei kamen im September 2004 mehr als 300 Menschen ums Leben. Die Region grenzt an die Republik Tschetschenien, wo moslemische Rebellen seit Jahren für eine Unabhängigkeit von Russland kämpfen.

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