Auch Asien spürt die Folgen der Finanzmarktkrise
„Das hatten wir doch schon einmal“ – Japan sieht sich besser gerüstet

Japan sieht der Krise mit Schrecken, aber abgeklärt entgegen. Zwar sind die japanischen Wirtschaftsindikatoren schon jetzt so dürftig wie zu Beginn der vergangenen schweren Rezessionen. Doch Japans Industrie hat weder übertrieben Schulden noch Überinvestitionen angehäuft.

TOKIO. Japan sieht der Wirtschaftskrise mit Schrecken, aber abgeklärt entgegen. "Wir hatten das alles schon einmal, als Ende der 80er Jahre die Immobilienblase platze und die Börse erschütterte", erinnert sich Takahide Kiuchi, Chefvolkswirt von Japans Investmenthaus Nomura. "Seitdem agieren die Banken vorsichtiger - auch weil sie sich strengeren Regeln unterwerfen mussten. Kiuchi ist wie viele Manager und Wirtschaftswissenschaftler in Japan davon überzeugt, dass der Finanzsektor im Asien-Pazifik-Raum grundsätzlich stabiler aufgestellt ist, weil dort bei weitem nicht soviel "Giftmüll" in den Büchern lagert wie bei den Wettbewerbern in Europa und den USA.

"Gefährlich wird es, wenn die Krise auf die Realwirtschaft übergreift und die Nachfrage nach japanischen Exportwaren dämpft", beschreibt Kazuhito Ikeo, Wirtschaftsprofessor der Keio Universität in Tokio, das mittelfristige Szenario. Im Fokus stehen die wichtigen Konsumgüterbranchen Elektrotechnik und Autos. "Für uns ist entscheidend, ob die Krise der Finanzmärkte auf die Verbraucher in den westlichen Absatzmärkten übergreift", bekräftigt Kunitomo Matsuoka, Vorstand beim japanischen Technologieausrüster NEC.

Zwar sehen die japanischen Wirtschaftsindikatoren nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Ökonom Mikihiro Matsuoka schon jetzt so schlimm aus wie zu Beginn der vergangenen schweren Rezessionen. Doch Japans Industrie hat weder übertrieben Schulden noch Überinvestitionen angehäuft, beschreibt Matsuoka die Lage. Die Banken seien ausreichend kapitalisiert und können nach dem ersten Schock im Prinzip wieder als Geldgeber auftreten. Doch das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Japans Wachstum jedes Mal ins Minus gerutscht ist, wenn die globale Nachfrage sank, so die Warnung der Ökonomen.

Das wissen auch die Anleger, und die haben Japans Aktien fürchterlich für ihre internationale Abhängigkeit bestraft. Der Leitindex Nikkei befindet sich auf dem tiefsten Stand seit fünf Jahren. "Der Markt sieht aus, als sei Godzilla drüber getrampelt", fasst Analyst Yamada Tsutomu vom Wertpapierportal Kabu.com zusammen. Die derzeitige Bewertung empfindet er aber als "ungerecht", denn fundamental hätten Japans Unternehmen nichts falsch gemacht. Im Gegenteil, die konsequente Ausrichtung auf Umwelttechnik etwa bei Hybrid-Fahrzeugen, Batterien oder Solarzellen sowie die globale Produktionsbasis habe Japans Großindustrie zuletzt gut aussehen lassen, unterstreicht auch Tomohiro Kondo, Direktor im Wirtschaftsministerium.

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