Auch Chefspion will gehen
CIA-Chef Tenet nimmt seinen Hut

Der Chef des US-Geheimdienstes CIA, George Tenet, ist am Donnerstag zurückgetreten. Tenet begründete seinen Rücktritt mit "persönlichen Gründen".

HB WASHINGTON. Präsident George W. Bush gab die Entscheidung vor seinem Abflug nach Europa bekannt. Bush bedauerte den Schritt: „Tenet hat fantastische Arbeit geleistet.“ Tenet sagte: „Es war eine persönliche Entscheidung, und egal, was für Erklärungen viele Leute jetzt finden werden: Der einzige Beweggrund ist das Wohlergehen meiner wunderbaren Familie“. Der 51-Jährige bleibt noch bis Mitte Juli im Amt. Dann übernimmt sein Stellvertreter John McLaughlin die Arbeit. Die Ernennung eines Nachfolgers noch vor der Präsidentenwahl am 2. November wird nicht erwartet.

Am heutigen Freitag will auch ein anderer Spitzenmann des US- Geheimdienstes sein Amt aufgeben. Der „Chefspion“ der CIA, James Pavitt, will nach Angaben des Nachrichtensenders CNN ebenfalls aus persönlichen Gründen zurücktreten. Pavitt, der diese Entscheidung bereits vor drei bis vier Wochen getroffen haben soll, gehört der CIA seit mehr als 30 Jahren an. Pavitt leitete fünf Jahre lang die Geheimdienstoperationen der CIA. Zwischen Tenets Rücktritt und Pavitts Entscheidung bestehe kein Zusammenhang, sagten US- Regierungsbeamte. Pavitt will im Sommer die CIA verlassen.

Politiker in Washington lobten Tenets siebenjährigen Dienst an der Spitze des Geheimdienstes, äußerten aber die Hoffnung, dass sein Abgang einen Neuanfang bei dem in letzter Zeit scharf kritisierten Geheimdienst möglich macht. Unter anderem hatte die Kommission zur Untersuchung der Terroranschläge vom 11. September 2001 der CIA vorgeworfen, die Terrorbedrohung zuvor nicht erkannt zu haben. Auch die CIA-Einschätzung über riesige Lager von Massenvernichtungswaffen im Irak gilt inzwischen als falsch. Bush hatte dies lange als Hauptgrund für den Einmarsch im Irak genannt.

„Die Quellen waren nicht akkurat, falsch, und teilweise absichtlich irreführend“, sagte US-Außenminister Colin Powell vor zwei Wochen. „Das hat mich enttäuscht.“ Powell verlange von der CIA Erklärungen, berichtete die „New York Times“ erst am Mittwoch.

Besonders Republikaner haben seit Monaten den Rücktritt von Tenet gefordert, den Bush als einzigen von seinem Vorgänger Bill Clinton ernannten Spitzenbeamten im Amt belassen hatte. Ein Neubeginn sei überfällig, sagte der republikanische Senator Lindsey Graham. „Ich hoffe, der Präsident nutzt die Gelegenheit, die CIA und andere Geheimdienste neu auszurichten, um ihre Arbeit zu verbessern“, meinte sein Parteikollege, Senator Trent Lott.

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber John Kerry würdigte Tenets Arbeit. „Dennoch, es ist keine Frage, dass es bedeutende Fehlleistungen gegeben hat, und die Regierung muss die Verantwortung dafür tragen“, sagte er. „Ich glaube nicht, dass es mit dem Rücktritt von Tenet getan ist“, meinte die demokratische Fraktionschefin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi.

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