Auch nach blutigen Auseinandersetzungen gehen die Proteste weiter
Bolivien: „Präsident, du musst gehen“

Demonstranten fordern in Bolivien den Rücktritt von Präsident Gonzales Sanchez de Lozada. Der wies die Forderung zurück, ist aber inzwischen praktisch in seiner schwer bewachten Residenz eingeschlossen.

HB LA PAZ. In zwei Kolonnen sind die Demonstranten von Norden und Süden auf die Hauptstadt zu marschiert. Gewerkschaften und bürgerliche Protestbewegungen schlossen sich indianischen Bauern an. Im Regierungssitz La Paz errichteten sie Barrikaden und Straßensperren. Diesen Protesten waren in den vergangenen Tagen bereits blutigen Unruhen vorangegangen.

La Paz glich im Dienstag einer Geisterstadt, Schulen, Geschäfte und Banken blieben geschlossen. Weitere Demonstrationen wurden aus Cochabamba und der Hauptstadt Sucre gemeldet. „Präsident, du musst gehen“, rief die Menge. Vor einem Rücktritt Sanchez de Lozadas wollten die Demonstranten nicht einlenken, hieß es. Der 73-Jährige war im August vergangenen Jahres für eine zweite Amtszeit gewählt worden.

Seit Beginn der Proteste Mitte September kamen nach offiziellen Angaben mindestens 16 Menschen ums Leben, Medienberichten zufolge liegt die Zahl der Todesopfer bei 63. Die Demonstrationen begannen als Protest gegen die Pläne von Sanchez de Lozada, Erdgas in die USA und nach Mexiko zu exportieren. Der geplante Handel wurde ausgesetzt, inzwischen haben sich die Proteste jedoch gegen die weit verbreitete Armut vor allem in der indianischen Bevölkerungsmehrheit ausgeweitet. Die Indios werden besonders hart von einem von den USA unterstützten Programm getroffen, den Koka-Anbau in dem Andenland zu beenden.

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