Auch Stahlfirmen im Visier
Verstaatlichungswelle in Venezuela

In Venezuela gewinnt der Verstaatlichungsprozess in wichtigen Wirtschaftszweigen deutlich an Fahrt. Die Regierung einigte sich am Freitag mit der spanischen Bankengruppe Santander auf den Kauf der Konzerntochter „Bank von Venezuela“, deren 286 Filialen künftig vom Staat kontrolliert werden.

HB CARACAS. Der bis Ende des Jahres zu zahlende Kaufpreis wurde mit 1,05 Mrd. $ beziffert. Unmittelbar zuvor hatte Staatschef Hugo Chávez die Verstaatlichung mehrerer Stahlfirmen angekündigt und vor rund zwei Wochen waren in dem ölreichen Bundesstaat Zulia wichtige Anlagen von Zulieferfirmen der Ölbranche unter die Kontrolle des Staates gestellt worden.

Venezuelas Vize-Präsident Ramón Carrizalez sagte, die Verkaufsverhandlungen mit Santander seien herzlich und für beide Seiten nützlich gewesen. Mit dem Kauf kontrolliert die Regierung künftig 95 Prozent der Bankanteile. Fünf Prozent bleiben den Angaben zufolge bei der Bancrecer-Gruppe, einem Geldinstitut für Kleinstunternehmen. Der Kaufpreis soll bis Ende dieses Jahres in drei Tranchen bezahlt werden. Carrizalez betonte, die Bank von Venezuela sei Teil des Plans zur Stärkung der Wirtschaft auf dem Weg zum Sozialismus. Den rund 6000 Bankbeschäftigten sicherte er Arbeitsplatzstabilität zu.

Am Donnerstag hatte Chávez im Fernsehen angekündigt, dass fünf eisen-produzierende und - verarbeitende Firmen sowie ein Keramik- Unternehmen im Bundesstaat Bolivar im Süden des Landes verstaatlicht würden. Die Aktion sei Teil eines „sozialistischen Konzeptes“ zur Gründung einer staatlichen Industrie-Kooperation. Betroffen sind die Unternehmen Matesi, Consigua, Venprecar, Tabsa sowie die auch mit US- Kapital finanzierte Firma Orinoco Iron. Auch das Unternehmen Cerámicas Carabobo solle künftig vom Staat kontrolliert werden. Die Unternehmen produzieren unter anderem Eisenbriketts und Röhren.

Der linkspopulistische Staatschef betonte, dieser Bereich müsse verstaatlicht werden, darüber gebe es keine Diskussion. Es wird damit gerechnet, dass die Unternehmen in den nächsten Tagen unter Staatskontrolle kommen. Gewerkschafter hatten vor Chávez' Ankündigung beklagt, dass die Arbeiter der Firmen seit mindestens sechs Monaten keinen Lohn mehr erhalten hätten und die Produktion zudem praktisch zum Stillstand gekommen sei.

Die Unternehmen müssten unter die Kontrolle der Arbeiter gebracht werden, begründete Chávez den Schritt. „Das ist soziale Gerechtigkeit.“ Venezuelas Staatschef hat seit dem gewonnenen Referendum über seine unbegrenzte Wiederwählbarkeit im Februar den Verstaatlichungsprozess spürbar beschleunigt.

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