„Auf Dauer nicht zu halten“
Chinas Botschafter kritisiert eigenes Wirtschaftsmodell

Der chinesische Botschafter in Deutschland sieht große Probleme auf sein Land zukommen. Vor allem Umweltprobleme und Ressourcenknappheit könnten der Wirtschaft schon bald in die Quere kommen.
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BerlinAngesichts wachsender Umweltprobleme und Ressourcenknappheit hat der chinesische Botschafter in Deutschland weitere Reformen seines Landes angekündigt. „Unser jetziges Wirtschaftsmodell ist auf Dauer nicht zu halten", sagte Botschafter Shi Mingde dem Berliner „Tagesspiegel“. „Um etwas herzustellen, brauchen wir vier Mal so viel Energie wie in Europa und sieben Mal so viel wie in Japan.“

Die Umwelt in China werde dadurch schwer belastet. Außerdem seien die chinesischen Ressourcen begrenzt. „Wir müssen über 50 Prozent des Erdöls und Erdgases importieren“, sagte Shi. Die Unzufriedenheit der Menschen nehme zu: „Einerseits haben sie mehr Wohlstand, andererseits wachsen die Probleme.“

Der Markt bekomme künftig die entscheidende Rolle, sagte der Botschafter. „Alle Eigentumsarten werden rechtlich gleichgestellt: Staatsbetriebe, Genossenschaften, Privatfirmen, Joint Ventures. Für Privatfirmen öffnen sich Bereiche, in denen Staatsbetriebe bisher ein Monopol hatten.“

Zu den Wirtschaftsreformen gehörten auch politische Veränderungen, sagte der Botschafter weiter. „Ohne politische Reform kann die Wirtschaftsreform keinen Erfolg haben.“ Rechtsstaatlichkeit sei der Schlüssel. „Alle müssen gleich sein vor dem Gesetz. Auch die Partei darf nicht darüber stehen.“

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " „Auf Dauer nicht zu halten“: Chinas Botschafter kritisiert eigenes Wirtschaftsmodell"

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  • Kritiker,

    da hat der umweltliebende Autor aber einen wesentlichen Punkt übersehen: die Wechselkurse.

    China hält den Yuan künstlich niedrig. Das nennt man "beggar the neighbor".

  • @babsack69

    Leider kann ich keine Quelle angeben, aber während meines VWL-Studiums habe ich einen Artikel über den Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Umweltschädigung in China gelesen. Der Autor kam zu dem Ergenis, daß das Bruttoinlandsprodukt Chinas bei gleichen Umweltschutzauflagen wie in Deutschland und Bilanzierung der Investionskosten für deren Erfüllung in der VGR, knapp über null liegen würde.

  • Bin mal gespannt,wie lange China noch die "Werkbank" der Welt sein wird.
    Endlich gibt man zu,was schon lange geflüstert wird,was nicht mehr zu verstecken ist,dass die rücksichtslose Ausbeutung der Menschen und des Landes unglaubliche Schäden verursacht hat.Wenn man es gegenrechnen könnte würde ich gerne die Bilanz des Chinesischen Wirtschaftswunders sehen.

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