Auf dem Sinai
Afrikanische Geiseln gehen durch die Hölle

Tausende von Afrikanern sind in den vergangenen Jahren von Lösegelderpressern auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel gefoltert worden. Eine neue Untersuchung geht von mindestens 5.000 Toten seit 2009 aus.
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KairoWährend sich Deutsche und Russen in dem ägyptischen Badeort Scharm el Scheich in der Sonne aalen, werden im Norden der Sinai-Halbinsel illegale Einwanderer und Geiseln aus Afrika von Lösegeld-Erpressern zu Tode gequält. Das Elend der Eritreer, Äthiopier und Sudanesen, die in den Folter-Häusern auf dem Sinai zu Tausenden vergewaltigt und mit heißen Eisen verbrannt werden, gehört zu den schrecklichsten Auswüchsen des Menschenhandels im Norden von Afrika.

Nach einer aktuellen Studie der niederländischen Universität Tilburg, die diese Woche in Kairo vorgestellt wurde, sind zwischen 2009 und 2013 etwa 25.000 bis 30.000 Menschen in die Fänge von Lösegelderpressern geraten. Die Zahl der Afrikaner, die von Grenzwächtern erschossen, von Erpressern getötet wurden oder in der Wüste verdurstet sind, schätzen die Autoren der Studie nach Interviews mit Überlebenden auf 5.000 bis 10.000.

Ihren Angaben zufolge stammen etwa 95 Prozent der Opfer der Menschenschmuggler aus Eritrea. Viele von ihnen fliehen vor dem Militärdienst in den Sudan. Einige gehen dort auf Angebote von Menschenschmugglern ein, die ihnen versprechen, sie nach Israel oder nach Europa zu bringen. Später werden sie dann an Beduinen von der Sinai-Halbinsel „verkauft“. „Wir beobachten, dass es inzwischen immer mehr Opfer gibt, die bereits im Sudan oder sogar direkt in Eritrea gekidnappt werden“, sagt die Aktivistin Stefanie Rühl bei der Präsentation der Studie.

Die Augenzeugenberichte, die von den Forschern gesammelt wurden, sind schockierend: „Sie haben eine Plastikflasche geschmolzen und das heiße Plastik auf meinen Körper gegossen. ... Sie zwangen uns, andere Geiseln zu vergewaltigen. ... Tagelang lag die Leiche meines Freundes neben mir im Zimmer... Sie hängten mich an der Decke auf und schlugen mich, dabei riefen sie meine Mutter in Eritrea an, damit sie hört, wie ich schreie, sie hat dann ihr gesamtes Land verkauft, um das Lösegeld zu bezahlen.“

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