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Auf dem Weg nach Norden: Malische und französische Truppen rücken weiter vor

Stück für Stück wollen Franzosen und Malier das Krisenland zurückerobern. Nach Erfolgen in der Landesmitte stoßen die Truppen nun nach Norden vor. Der Hohe Islamische Rat lobt die Offensive gegen die Rebellen.

Soldaten aus Frankreich und Mali. Quelle: dpa
Soldaten aus Frankreich und Mali. Quelle: dpa

BamakoMalische und französische Truppen haben im Kampf gegen islamistische Rebellen ihre Offensive in Richtung Nord-Mali weiter fortgesetzt. Ziel ist es, die gesamte Region aus den Händen der seit Monaten in weiten Landesteilen wütenden Extremisten zu befreien. „Wir planen, jede Woche rund 100 Kilometer weiter vorzurücken“, sagte ein Militärsprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. In den vergangenen Tagen hatte die Armee mit Unterstützung aus Paris bereits die wichtigen Städte Diabali, Douentza und Kona in der Landesmitte zurückerobert.

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Derzeit bewegten sich die Soldaten auf Hombori zu, erklärte der Sprecher. Der nordöstlich von Kona liegende Ort ist ebenfalls in Islamistenhänden. Luftangriffe seien momentan nicht im Gange.

Was in Mali auf dem Spiel steht

  • Wieso schreitet die alte Kolonialmacht Frankreich erst jetzt ein?

    Frankreich hat in den vergangenen Monaten wiederholt die USA und die UN zum Eingreifen im Norden Malis bewegen wollen, allerdings mit wenig Erfolg. Bei allen Handlungen muss Paris auch immer das Schicksal der französischen Geiseln in der Hand von Islamisten in Afrika berücksichtigen. Es geht auch um Wirtschaftsinteressen. Der Vormarsch der Islamisten auf die strategisch wichtige Stadt Mopti zwang Paris zum Handeln. Seit langem sieht Frankreich seinen Einfluss in der Sahelzone, drei Flugstunden südlich von Europa, in Gefahr. Der Terror dort könnte auf Frankreich selbst übergreifen, weil viele der Gotteskrieger französisch sprechen und Verwandte im Land haben.

  • Aus welchen Kräften setzt sich die Dreier-Allianz der islamistischen Rebellen im Norden Malis zusammen?

    Die Kämpfer der Terrororganisation Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQM) gelten als Anführer. Sie sollen durch Drogenschmuggel und Lösegelder für entführte Ausländer über Dutzende Millionen Dollar verfügen. Geheimdiensten zufolge haben die Islamisten insgesamt 6000 ausgebildete Kämpfer in Nordmali, darunter Dschihadisten aus Ägypten, dem Sudan und anderen Staaten. In den Reihen der Islamisten kämpfen auch Männer des nordmalischen Volks der Tuareg. Sie nennen sich Ansar Dine. An ihrer Seite steht die „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (MUJAO), die ebenfalls die Scharia durchzusetzen will.

  • Wieso droht ausgerechnet Mali zum „zweiten Afghanistan“ werden?

    Mali galt lange als einer der wenigen demokratischen Musterstaaten Afrikas. Nach einem Militärputsch in der im Süden gelegenen Hauptstadt Bamako im März 2012 eroberten Tuareg-Kämpfer gemeinsam mit Islamistengruppen den Norden Malis. In Timbuktu, wo Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe zum Weltkulturerbe gehören, ließen die Islamisten mehrere historische Heiligtümer zerstören. Experten fürchten, dass der riesige Norden Malis ohne staatliche Kontrolle ebenso wie Afghanistan unter den Taliban zu einer Brutstätte für islamistische Terrornetzwerke wird. Auch in Afghanistan wurde die Weltöffentlichkeit erst durch die Zerstörung von Kulturgütern auf den Konflikt aufmerksam.

  • Afrika-Kenner schreiben, der Konflikt in Mali sei eine späte Rache des ermordeten libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi. Wie hängt das zusammen?

    Der libysche Diktator hatte kampferprobte Tuareg-Männer aus dem benachbarten Nordmali für seine Streitkräfte rekrutiert. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele mit modernen Waffen in die Heimat zurück. Dort verschafften sie den Aufständischen die entscheidende Schlagkraft im Kampf gegen die Zentralregierung im Süden.

  • Hat die internationale Staatengemeinschaft zu lange die Entwicklungen in Mali ignoriert?

    Die dramatische Entwicklung ist eine Katastrophe mit Ankündigung. Über Monate warnten Frankreich, die USA und auch die Vereinten Nationen wechselseitig vor den Gotteskriegern aus Nordmali. Doch aus Sicht der Interimsregierung passierte viel zu wenig. Alarmiert von den jüngsten Vorstößen der Islamisten rief der Weltsicherheitsrat am Freitag dazu auf, die afrikanisch geführte Unterstützungsmission Afisma müsse schneller in Gang gesetzt werden. Dabei war die Entsendung schon Wochen vorher beschlossen worden. Ein Hindernis war bislang, dass es in Mali Vorbehalte gegen den Einmarsch von Soldaten aus Nachbarstaaten gab. Zudem wurde befürchtet, dass der Konflikt sich auch auf andere Länder der Region ausweiten könnte.

  • Kann es sein, dass deutsche Soldaten bald Seite an Seite mit den Franzosen in Mali kämpfen werden?

    Deutschland schließt einen Kampfeinsatz der Bundeswehr in dem westafrikanischen Krisenstaat derzeit aus. Die Europäische Union plant seit längerem, etwa 200 Militärberater zu entsenden. Sie sollen malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten. Auch Bundeswehrsoldaten dürften bei der Ausbildung mit dabei sein. Bisher war geplant, die Ausbilder innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres nach Mali zu schicken. Nach den jüngsten Entwicklungen hat die EU angekündigt, die Militärausbilder schneller zu entsenden. Quelle: dpa

Mehrere Islamistengruppen hatten im vergangenen Jahr ein Machtvakuum nach einem Militärputsch ausgenutzt und den gesamten Norden Malis unter ihre Kontrolle gebracht. Paris ist seit zwölf Tagen in dem westafrikanischen Land militärisch aktiv, nachdem die Rebellen zuvor immer weiter nach Süden vorgedrungen waren. Es gab die Befürchtung, dass auch die Hauptstadt Bamako fallen könnte.

Die Übergangsregierung in der Hauptstadt Bamako verlängerte derweil den über das Krisenland verhängten Ausnahmezustand um drei Monate. In diesem Zeitraum sind große Menschenansammlungen und alle Aktionen, die die öffentliche Ordnung beeinträchtigen könnten, verboten.

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In Zentral-Mali kehrte nach Tagen schwerer Kämpfe langsam wieder Ruhe ein. „Douentza ist seit Montagmorgen wieder frei. Die Franzosen haben den Islamisten schwere Verluste zugefügt, die daraufhin die Stadt verlassen haben“, sagte ein Anwohner am Telefon. „Es gibt zwar noch keinen richtigen Alltag, aber wir sind sehr glücklich, dass die Dinge zur Normalität zurückkehren.“ Der Augenzeuge Aguibou Toure aus Kona berichtete, dass momentan keine Rebellen mehr in seiner Heimatstadt anwesend seien: „Die Bürger, die zuvor aus Kona geflohen waren, kommen jetzt zurück.“

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi kritisierte die Truppenentsendung aus Paris und betonte, die Militärintervention könne den Konflikt in der Region noch verschlimmern. „Jedes Eingreifen sollte friedlich sein und auf Entwicklung abzielen“, meinte er. Die ägyptische Zeitung „Al-Shorouk“ zitierte Mursi mit den Worten: „Wir werden niemals Extremismus, Gewalt oder Angriffe auf Zivilisten akzeptieren, aber gleichzeitig wollen wir kein neues Zentrum für einen blutigen Konflikt schaffen, der Nordafrika von seinen afrikanischen Nachbarn trennen könnte.“

Mali Darum führt Frankreich in Afrika Krieg

Hollandes Entscheidung, in Mali militärisch einzugreifen, sieht wie ein Abenteuer aus. Doch sie ist populär, weil viele Franzosen nicht bereit sind, Afrika den Islamisten zu überlassen. Aber auch sie stellen Fragen.

Der Hohe Islamische Rat von Mali verteidigte hingegen die Offensive. „Das hier hat nichts mit Islam zu tun. Es geht um den Kampf gegen Terrorismus und Kriminalität in Nord-Mali“, sagte der Präsident des Rates, Mohamoud Dicko. Muslime in aller Welt müssten verstehen, was gerade in Mali passiert: „Die Integrität unseres Landes wurde im Namen des Islam angegriffen. Aber es ist gar keine Frage der Religion, um die es hier geht.“

  • 22.01.2013, 15:37 UhrGurkenmurkser

    Verstellung [taqiyya].

    Sind denn das alles Mohammedaner in Mali?

  • 22.01.2013, 15:17 UhrRumpelstilzchen

    Meinen Respekt dem Hohen Islamischen Rat von Mali für so viel Realitätssinn, ich hoffe er bleibt dabei. Es wäre schön, wenn sich der Islamrat ür die Bundesrepublik Deutschland dieser Haltung öffentlich, mit Überzeugung und nachhaltig anschließen würde! Der Reputation des Islam wäre das sehr dienlich.

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