Auf nach China Europa macht Russland keinen Spaß mehr

Russlands Kremlchef besucht Chinas Präsidenten Hu Jintao. Im Mittelpunkt des Treffens stehen wirtschaftliche und politische Themen. Und das nicht zufällig: Denn in Moskau hat man von Europa schon lange die Nase voll.
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Russlands Präsident Wladimir Putin: In China erwartet ihn ein herzlicher Empfang. Quelle: AFP

Russlands Präsident Wladimir Putin: In China erwartet ihn ein herzlicher Empfang.

(Foto: AFP)

Moskau/Berlin/PekingEuropa ist für den neuen Kremlchef nur noch ein Ärgernis: Ständig muss sich der erst kürzlich zur dritten Amtszeit gestartete Wladimir Putin Ermahnungen aus der EU und den europäischen Hauptstädten anhören, er solle im Syrien-Konflikt einlenken. So wird beim Russland-EU-Gipfel heute in Putins Heimatstadt St. Petersburg wieder die Aufforderung aus Brüssel erklingen, endlich das Assad-Regime fallenzulassen.

Und nicht einmal das früher dem Kreml mächtig Freude bereitende Thema wachsender Gasverkäufe nach Europa macht Putin heute noch Spaß seit die Absatzmengen auf dem alten Kontinent stagnieren. Da trifft es sich gut, dass der Herrscher über das größte Land der Erde heute in den bevölkerungsreichsten Staat aufbricht. Dort erwartet Putin ein herzlicher Empfang. Denn in fast allen Politikbereichen sind die beiden Staaten derzeit durch gemeinsame Interessen verbunden.

Vor allem zwei große Themen stehen ganz oben auf der Liste: Das eine ist die gemeinsame Haltung gegenüber der Außenpolitik der Amerikaner. Das andere ist der Handel mit Öl und Industriewaren. Um beides wird es bei dem Besuch Putins beim chinesischen Präsidenten Hu Jintao gehen, der am Dienstag beginnt. Obendrein vertreten beide Großreiche auf der Weltbühne eine gleichlautende Politik in den Großkonflikten um Syrien und Iran.

"Beide Länder lehnen eine Monopol-Macht ab, die sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einmischt", sagt Politologe Jia Qingguo von der Peking-Universität. Beide Seiten hätten zwar auch keine klare Vorstellung davon, wie ihre "multipolare" Weltordnung aussehen soll. "Aber beide bevorzugen ganz klar eine Politik der Nichteinmischung." Dahinter steht die Befürchtung, auch einmal zum Ziel eines Eingriffs der Weltgemeinschaft zu werden, wenn den USA die Politik nicht passen sollte.

Doch auch im Streitfall Iran sind Russland und China gemeinsame Weggefährten: Mit dessen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad treffen Putin und Hu sich auf dem Gipfel des sogenannten Schanghai-Kooperationsrates, einer fernöstlichen Verteidigungsallianz. Das Treffen ist pikant, weil es direkt vor der neuen Verhandlungsrunde der internationalen Gemeinschaft über Teherans Atomprogramm stattfindet.

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9 Kommentare zu "Auf nach China: Europa macht Russland keinen Spaß mehr"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sabine
    gut gesagt

  • Herrmann.12
    Auch das ein Grund für den Erfolg islamistischen Terrors, chinesischer Produktpratierie und russischer Mafia.
    Es ist also primär unsere Schwäche und leider keine neue Stärke Anderswo, die hier zum ausdruck kommen.
    ----------------------
    Zumal der Westen, hier Brüssel und vor allem Deutschland, das ja jahrelang zugelassen haben
    Europa hat Stillstand außerdem ideolog. Gegeifer über den Euro, hat Eurpa nichts mehr zu bieten.
    Und Deutschland, das einstige Land er Denker und Dichter?
    Heute ein Land was dem Manchester-Kapitalismus pflegt, das Volk veramrt und ethisch und moralisch verfault ist, bis in die tiefsten Wurzeln.
    Eurooa und allen voran Deuscland, steht an einem Scheidepunkt.
    Und nru gute Polöitiker können das retten, aber die haben wir leider nicht

  • Meiner Ansicht nach sind die Regime, die in der westlichen Welt derzeit gegen den breiten Bürgerwillen durchgesetzt werden und gegen die Menschenrechte verstoßen, sowohl die Demokratien, als auch die Freiheit der Völker der gesamten westlichen Welt zugunsten einer sehr kleinen, absolut skrupellosen Finanzolegarchie abschaffen, ebenfalls ein Weg in die Sackgasse.
    Hinzu kommt, dass den Amis für die Zukunft, jetzt, wo ihnen das Know-How der Deutschen verloren geht, nicht zuzutrauen ist, ihre Vormachtsetllung in der Entwicklung von Technologie aufrecht zu erhalten und fortzusetzen, siehe Steuerungseinheiten der Waffentechnik Iran.
    Kommt noch der finanzielle Zusammenbruch der Dollarwährung hinzu, landen die USA da, wo sie hingehören, auf einen unterentwickelten Provinzplatz. Dann ist Schluss mit ihrer überheblichen Hegemoniestellung, was nicht heißt, dass der anderen Seite (Russland, China) der Kampfplatz allein zu überlassen ist.
    Dennoch fürchtet sich Russland vor einem Zusammenbruch Deutschlands, der meiner Ansicht nach in Bälde ansteht, siehe Euro-Katastrophe (Merkels großkotzige Garantieversprechen an die EU-Staaten), weil es dann noch stärker von China abhängig ist.
    Die weltweite Entwicklung insgesamt bleibt also spannend.

  • Europa macht auch den Europäern keinen Spass mehr. Die einzigen, die noch mit Freude an der Sache sind, sind die Mitglieger des brüsseler Zentralkomitee.

  • Russland und China haben in der Tat viele Gemeinsamkeiten: eine totalitäre Vergangenheit, die sich auf ähnlichen menschenverachtenden Prinzipien gründet, die Unfähigkeit und der Unwillen der Führung in beiden Ländern, diese Vergangenheit aufzuarbeiten -heute ist der Jahrestag des TianAnmen-Massakers!- und die daraus resultierende beharrliche Ablehnung demokratischer Grundsätze und Menschenrechte und rücksichtslose Verfolgung Andersdenkender. In beiden Ländern haben wir es mit autoritären Regierungs- und Wirtschaftseliten zu tun -einerseits die fast nur aus Geheimdienstlern bestehende Putinclique, andererseits die verkrustete chinesische Parteibürokratie-, die alles abblocken, was deren Machtbasis gefährden könnte. Dieses Modell ist aber alles andere als erfolgreich, wie sich immer deutlicher zeigt, denn nur mit Repression und Korruption schafft man keine Elite, die in der Lage ist, eine Gesellschaft ins 21. Jahrhundert zu führen. Da aber weder Putin noch Hu Jintao in der Lage sind, diesen Zusammenhang zu erkennen, wird die Stagnation auch weiterhin dazu führen, dass die Wirtschaft ständig entgleist oder sogar abstürzt: im wörtlichen Sinn der furchtbare und unnötige Unfall des chinesischen ICE bei Shanghai und der tragische Absturz des Suchoj-Superjets in Indonesien. Die angekündigte Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Luftfahrtindustrie gleicht hier m.E. einem Spaziergang von zwei Blinden. Die Wahrheit hinter all dem ist, dass solch korrupte Regime noch auf lange Zeit nicht ohne die Unterstützung durch westliche Technologie und Know-how auskommen werden - und schon gar nicht ohne den sicheren Hafen der Banken in Europa und Südostasien, wohin all die illegal erwirtschafteten Gelder fliessen. Das chinesisch-russische Modell ist also bei Licht betrachtet eine Sackgasse, so antiquiert wie russiche Flugzeuge und Raketen.

  • Viel Wahres dran, an ihren Aussagen, aber mir zu einseitig. denn China und Russland verfolgen ihre eigenen egoistischen Interessen, gerade z.B. in Hinterindien. China sieht sich dort selbst als Hegemonialmacht, das seine Interressen ebenso rücksichtlos durchsetzt, wie die USA beim Öl im Nahen Osten.
    Natürlich wollen sie dort die USA verdrängen, einmal um sich Einmischungen seitens des Westens zu erwehren, aber auch um ungestört sich selbst bedienen zu können.

    Die Schwäche des Westens liegt in einem massiven Glaubwürdigkeitsverlust begründet. Einmal durch die unsägliche Administration Busch in den USA, aber auch die Unfähigkeit der europäischen Staaten dem Richtigen den Vorzug vor den Opportunen zu geben.
    Das haben die Gegner des Westens richtig erkannt und nutzen es rücksichtslos aus.
    Auch das ein Grund für den Erfolg islamistischen Terrors, chinesischer Produktpratierie und russischer Mafia.
    Es ist also primär unsere Schwäche und leider keine neue Stärke Anderswo, die hier zum ausdruck kommen.

    H.
    H.

  • In Westeuropa wird nichts Neues mehr gestaltet...es wird nur noch das Erreichte verwaltet und verteilt. Nicht einmal eine eigenständige Außen- und Sicherheitspolitik bekommt man auf die Reihe. Stattdessen folgt man immer schön brav der Meinung der "Weltmacht" USA.

    In Osteuropa und in Asien sind Macher am Werke, so wie es in Deutschland in den 60er Jahren zu Zeiten des Wirtschaftswunders war. Man hält diesen Machern immer wieder Verstöße gegen Menschenrechte vor, vergißt dabei aber, dass in diesen Ländern ein gewaltiger Tranformationsprozess in Richtung Marktwirtschaft bewältigt und gesteuert werden muss. Das braucht eine konsequente Führung.

    Putin hat Westeuropa mehrfach eine engere Zusammenarbeit angeboten. Man hat jedoch abgelehnt. Die großen Chancen, die ein vollständig geeintes Europa hätte, werden dabei ,zum Schaden nachfolgender Generationen, einfach nicht ergriffen.

    Es ist also nur zu verständlich, daß Russland nun seinen eigenen Weg geht.

    Ausserdem ist es sicherlich nicht falsch, wenn es ein Gegengewicht zur Natopolitik gibt. Man bedenke, die friedlichen demokratischen USA bringen gerade ihre Flotte im Pazifik in Stellung, um z.B. Birma vor der chinesischen Übermacht zu beschützen. Der wahre Grund dürften jedoch Wirtschaftinteressen sein, um auch die Märkte von morgen unter Kontrolle zu bringen. West-Europa hat man ja schließlich auch gut unter Kontrolle.

  • Ja, dem kann ich nicht mehr hinzu fügen, außer dem, dass Europas Politiker total bekloppt sind, besonders der Hollande. Wrum sollen wir uns mit solchen Quatschköppen abgeben? Unsere Zukunft, unsere Partner sind im Osten, sind Russland, China, Südost-Asien, Indien.

  • ....und Recht haben Russen und Chinesen. Während Europa zerfällt, haben unsere Politiker nichts besseres zu tun, als auf das Syrische Regime einzudreschen. Europas technologischer Vorsprung ist-wenn überhaupt noch vorhanden- marginal. Was zeichnet uns noch aus? Menschenrechte, ethisch-moralische Prinzipien, Kultur/Kunst, Meinungsfreiheit? Pustekuchen.... unsere Polizei will demnächst Gummigeschosse gegen Demonstranten einsetzen. Sollten soziale Unruhen ausbrechen, dann wird das Demonstrationsrecht noch stärker eingeschränkt werden. Wir sollten der Realität ins Auge schauen. Europa ist auf dem absteigenden Ast.

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