Aufatmen in der Euro-Zone

Irland verlässt den Rettungsschirm

Irland ist ein Musterland für die Euro-Zone: Die grüne Insel zeigt der Welt, dass die Rettungsmechanismen funktionieren. Am Sonntag verlassen die Iren den Rettungsschirm und holen sich wieder selbst Geld an den Märkten.
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Dabei finanziert sich die grüne Inselrepublik derzeit günstiger als vor vier Jahren. Zehnjährige Staatsanleihen notierten zuletzt bei einer Rendite von 3,2 Prozent. Rund 250 Milliarden Euro schuldet Irland derzeit internationalen Gläubigern, das ist rund eineinhalb Mal so viel wie die Iren 2013 erwirtschaftet haben. Allerdings werden 2014 nur etwa 2,75 Milliarden Euro fällig. 2013 konnte sich Irland gut 24,6 Milliarden Euro am Kapitalmarkt leihen. Quelle: gms

Dabei finanziert sich die grüne Inselrepublik derzeit günstiger als vor vier Jahren. Zehnjährige Staatsanleihen notierten zuletzt bei einer Rendite von 3,2 Prozent. Rund 250 Milliarden Euro schuldet Irland derzeit internationalen Gläubigern, das ist rund eineinhalb Mal so viel wie die Iren 2013 erwirtschaftet haben. Allerdings werden 2014 nur etwa 2,75 Milliarden Euro fällig. 2013 konnte sich Irland gut 24,6 Milliarden Euro am Kapitalmarkt leihen.

(Foto: gms)

London/DublinDie grüne Insel im Nordwesten Europas ist ein Paradies für Angler und für Erholungssuchende, für Musikfans, für Liebhaber dunkler Stout-Biere – und für Politiker der Euro-Zone. Irland stellt gerade unter Beweis, dass die Euro-Zone mit allen ihren finanziellen Netzen und doppelten Böden entgegen aller Gerüchte funktioniert. Irland war vor drei Jahren das erste Euro-Land, das unter den Euro-Rettungsschirm flüchtete und Notkredite in Höhe von 67,5 Milliarden Euro erhielt.

Mit fast 350 Milliarden Euro hatte es sein aufgeblähtes Bankensystem vor dem Untergang retten müssen. Mehr als jedes andere EU-Land verwendeten die Iren für Garantien, Kapitalspritzen und andere Finanzhilfen. Und jetzt sind sie die ersten, die den Rettungsschirm wieder verlassen können, um auf eigenen Beinen zu stehen.

„Irland muss funktionieren“, heißt es in Diplomatenkreisen in Dublin schon seit Monaten beschwörend. Die Formel „first in, first out“ bezogen auf den Rettungsschirm ist für die Euro-Länder eine Zauberformel. Am Beispiel Irland will sich die gesamte Euro-Zone ihrer eigenen Funktionsfähigkeit versichern.

„Irlands Ausstieg aus dem Rettungsschirm ist ein riesiger Erfolg für das Land und die Euro-Zone als Ganzes“, sagt entsprechend Klaus Regling, der Chef des europäischen Rettungsfonds EFSF. „Der Kombinationseffekt von Haushaltskonsolidierung, Strukturreformen und dem Reparieren des Finanzsektors hat Irland auf den Pfad nachhaltigen Wachstums, sinkender Arbeitslosigkeit und verbesserten Vertrauens der Geschäftswelt zurückgebracht“, lobt Regling. Von diesem Sonntag an wird sich Irland wieder Geld auf dem freien Markt beschaffen - sämtliche Testläufe dafür verliefen positiv.

Doch der Pfad irischer Tugenden aus Sicht der Euro-Zone ist teuer erkauft. Irland erwies sich zwar als Musterschüler der Troika von EU, von Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank („Wir sind die Besten von den Schlechten“, hieß es aus dem Finanzministerium). Doch sind längst nicht alle Probleme gelöst. Die Arbeitslosigkeit zwischen Dublin und Galway liegt noch immer bei 12,8 Prozent. Das sind mehr als zwei Prozentpunkte weniger als zu übelsten Zeiten vor einem Jahr. Die Arbeitsämter haben inzwischen 6.000 jungen Iren Jobs im Ausland angeboten. Im vergangenen Jahr verließen 75.000 Iren die Insel, in den Jahren davor waren es bis zu 100.000.

Es droht ein Fachkräfte-Mangel
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5 Kommentare zu "Aufatmen in der Euro-Zone: Irland verlässt den Rettungsschirm"

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  • mit wieviel Billionen heimlicher Rettung von draghi so wie Frankreich wird uns das da verkauft als Erfolgsgeschichte?

  • Auf den ersten Blick hört sich diese Story ja gut an, sofern man nicht genauer hinsieht. Irland hat sein Unternehmenssteuersparmodell behalten und hat sich über die Rettungsfonds und besonders über die EZB saniert. Der staatliche Schuldenstand ist beachtlich, Zins- und Laufzeitstreckungen über Jahrzehnte, verdeckt finanziert über die EZB, machen dieses neue Wunder möglich.

    Die Südzone hängt am Tropf der EZB, über den Liquiditätstender LTRO und den Umweg über die Geschäftsbanken wurden und werden die Staaten subventioniert und finanziert. Die Wachstumimpulse sind viel zu gering, Zinssenkungen kurbeln die Kreditvergabe in den Krisenländern kaum an, diese nutzen die Banken um genügend Eigenkapital aufzubauen. Die Südzone steckt in der Wettbewerbs- und Überschuldungsfalle des Euro, die eigenen Strukturren sind kaum wettbewerbsfähig, die Südzone ist völlig überschuldet (wie auch Irland).

    Fazit: Die Eurozone ist ein dysfunktionaler und fragmentierter Währungs- und Wirtschaftsraum, der in erster Linie durch die massive Intervention der EZB zusammengehalten wird. Und durch den massiven Verzicht auf Wohlstandzuwachs und eigener Investitionen in Deutschland (analog Österreich, die Niederlande, Finnland), viele Städte sind heute schon praktisch bankrott und massiv überschuldet, so EY. Die Einkommensentwicklungen in D-land seit der Euroeinführung sowie der Vermögensbericht der EZB sind ein weiteres Indiz dafür.

    Schäuble installiert derweil eine europäische Bankenunion mit einem Abwicklungsfonds, der viel zu klein ist, dessen Modalitäten kaum feststehen.

    Die nächsten Krisengipfel stehen an, der weitere Ausbau hin zu einer vollkommenen Transfer- und Vollhaftungsunion ist kaum noch abzuwenden.

    Europa, die EU und der Euro, ein besonderes Kapitel für historische Analysen und Studien. Aber bitte ohne Verklärungen und mediale Schönfärberei!

  • So versucht man sich bis zur Etablierung der Banken-
    union, auf Basis der Minizinsen der EZB, bis zur rück-
    zahlungsfreien Rekapitalisierung durch den ESM durch-
    zulavieren, denn bedauerlicherweise erlaubt es die
    Zwangsjacke des Euro nicht den aufgelaufen Schulden-
    berg nur annähernd zu reduzieren.
    So wird sich Irland, nach der unweigerlich kommenden
    Erhöhung des Zinsniveaus durch die EZB, auf Kosten
    der deutschen Sparer und Steuerzahler, in absehbarer
    Zeit, wieder unter dem 'Rettungsschirm' finden.

  • Es bleibt erst einmal abzuwarten, ob auch die krisengeplagten Südländer der EU die gleiche Disziplin
    zur Haushaltssanierung aufweisen wie die Griechen. Ich habe Zweifel. Außerdem geht die ganze Tendenz beim kleinen Mann zu sparen und bei den Reichen entweder Steuern gar nicht hinreichend einzutreiben (Griechenland!) oder die Steuern für Reiche und Unter-nehmer nicht zu erhöhen(Irland!) in die falsche Richtung.

    falsche Roi

  • Zitat : „Irlands Ausstieg aus dem Rettungsschirm ist ein riesiger Erfolg für das Land und die Euro-Zone als Ganzes“, sagt entsprechend Klaus Regling

    - bei diesen Zinssätzen der EZB kann Irland sich Geld auf freien Märkten besorgen. Hätten wir normale Zinsverhältnisse, wäre Irland noch lange unter dem Schirm geblieben.

    Dieser Ausstieg ist ein EZB-getürkter Ausstieg, mehr nicht.

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