Aufbau Süd: Rösler nennt Schwerpunkte der Griechenland-Förderung

Aufbau Süd
Sonderwirtschaftszonen sollen Griechenland-Wachstum ankurbeln

Rösler nennt Schwerpunkte der Griechenland-Förderung

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler umriss derweil die Bereiche Tourismus, Infrastruktur und Telekommunikation als Schwerpunkt für das Engagement ausländischer Investoren in Griechenland. Bei dem Treffen mit rund 20 Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft werde es am Mittwoch vor allem darum gehen, wie die Voraussetzungen für Investitionssicherheit geschaffen werden könnten, sagte Rösler im ZDF. Er rief zugleich den deutschen Mittelstand auf, mit seinen Erfahrungen dem von Schulden- und Wirtschaftskrise gebeutelten Euro-Land zu helfen. „Seine Erfahrungen kann man auf Griechenland übertragen, zum Beispiel in der wichtigen Frage: Wie kann der Mittelstand sich in Krisenzeiten finanzieren?“

Über das Schaffen tragfähiger Strukturen in Griechenland, die Vermittlung von Erfahrungen der deutschen Wirtschaft sowie Investitionen in die drei Kernbereiche solle bei dem Treffen nicht nur mit der Wirtschaft, sondern auch mit Vertretern des Auswärtigen Amtes gesprochen werden. „Wir wollen gleichzeitig auch auf die Europäische Union zugehen“, sagte Rösler. Die EU-Kommission habe Möglichkeiten zu helfen, Investoren den Gang nach Griechenland zu erleichtern. Der FDP-Politiker hatte jüngst ein 16-Punkte-Papier „Eckpunkte für eine Investitions- und Wachstumsoffensive für Griechenland“ vorgelegt.

Von neuen Wegen, die Griechenland gehen müsse, um wettbewerbsfähiger zu werden, sprach der Konjunkturexperte vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI), Jörg Hinze. Daher gebe es auch „kein Patentrezept und auch nicht im Vorhinein bestimmte Branchen oder Güterbereiche, in die investiert werden sollte, schon gar nicht staatlicherseits“, sagte Hinze Handelsblatt Online. Allerdings plädierte auch er dafür, die investiven Rahmenbedingungen zu verbessern, wie etwa zeitlich begrenzte Steuererreduzierungen und Abschreibungserleichterungen anzubieten. Idealerweise müssten zudem „internationale Konzerne zur Errichtung von Produktionsstätten angeworben werden, weil hier normalerweise erhebliche Folgeeffekte auf Zulieferfirmen ausgehen“, erläuterte der HWWI-Experte.

Staatlicherseits empfahl Hinze, die nichtausgeschöpften EU-Fördermittel auch ohne Eigenbeteiligung Griechenlands freizugeben und deren effiziente Verwendung zu kontrollieren. „Sicherlich sind von einem derartigen Vorgehen keine raschen Erfolge zu erwarten“, gab Hinze zu bedenken und fügte hinzu: „Die Einführung und Umsetzung der genannten Maßnahmen erfordert Zeit.“

Der DIW-Ökonom Belke unterstrich die wirtschaftlichen Chancen, die in einem Aufbauprogramm Griechenlands stecken. „Wenn man dort kostengünstig investieren kann und auf billige Arbeitskräfte stößt, dann rechnet sich Griechenland als Standort in der globalen Wertschöpfungskette“, sagte er. Dies sei auch eine Parallele zu Ostdeutschland. „Damit könnte man dann auch gleichzeitig die zu starke Abhängigkeit von asiatischen Produktionsstandorten wie beispielsweise China abbauen“, ist sich der Ökonom sicher. „Mithin ist auch hier der Hintergedanke nicht so sehr den Griechen einen Gefallen zu tun, sondern die Chance in Griechenland zu nutzen“, sagte Belke.

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Dietmar Neuerer
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Handelsblatt / Reporter Politik
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