Aufbauhilfe soll Wachstumsminus ausgleichen: Börsen in den Krisenländern auf Rekordhöhe

Aufbauhilfe soll Wachstumsminus ausgleichen
Börsen in den Krisenländern auf Rekordhöhe

Die wirtschaftlichen Folgen der Flut in Südostasien stehen in keinem Verhältnis zu dem menschlichen Grauen, das sie hervorgerufen hat. Während die Opferzahlen täglich weiter nach oben korrigiert werden, hat sich die Katastrophe an den Börsen der Region kaum niedergeschlagen.

HB NEU DELHI. In Indien und Indonesien, zwei der am schwersten betroffenen Ländern, notierten die Indizes am Jahresende auf Rekordständen. Fischereiflotten versanken in den Wellen, Verkehrswege wurden weggeschwemmt und große Teile der touristischen Infrastruktur zerstört. Trotzdem schätzt der Rückversicherer Munich Re den Schaden auf rund 13 Mrd. Dollar. Das Erbeben im japanischen Kobe vor zehn Jahren forderte 5 000 Todesopfer, doch die Sachschäden fielen mit 132 Mrd. Dollar um ein Vielfaches höher aus.

Auch eine Woche nach der Welle der Zerstörung machen sich Analysten in Asien deshalb mehr Sorgen um den Ölpreis, den Dollarkurs und die Folgen des rückläufigen Wachstums in den USA. „Asien bleibt weiterhin mit Abstand die am schnellsten wachsende Region der Welt“, sagt Volkswirt Michael Spencer von der Deutschen Bank. Kurzfristig dürften die Folgen des Tsunamis aber auch volkswirtschaftlich spürbar werden: Je nach Größe der Tourismusbranche erwarten Analysten dieses Jahr einen Rückgang des Wachstums von deutlich unter einem Prozentpunkt in den großen Ländern Thailand, Indien und Indonesien. In Sri Lanka könnten es bis zu zwei, auf den Malediven vier Prozentpunkte werden. Allerdings dürften der Zufluss von Hilfsmilliarden sowie Investitionen im Zuge des Wiederaufbaus die Auswirkungen der Krise abfedern. Aus diesen Gründen behielt Standard & Poor’s seine Kreditratings für alle betroffenen Länder bei.

Die Flut trifft die Wirtschaft schwächer als SARS

Einig sind sich Volkswirte darüber, dass die wirtschaftlichen Folgen der Katastrophe geringer ausfallen werden als die der SARS-Krise im Jahr 2003. Denn die am stärksten betroffenen Regionen in Indien, Sri Lanka und Indonesien sind extrem arm und spielen volkswirtschaftlich kaum eine Rolle. So kommt die Provinz Aceh auf Sumatra, wo an die 100 000 Menschen starben, nur für zwei Prozent von Indonesiens Wirtschaftskraft auf. Der Finanzminister des Landes sieht daher auch keine negativen Auswirkungen auf das Wachstum. Er gesteht ein, dass sein Budget durch die auf eine Milliarde Dollar bezifferten Wiederaufbaukosten in Aceh belastet wird. Diese Summe will er aber zum Großteil mit Hilfsgeldern finanzieren. „Starke Binnennachfrage, ein Wiederaufleben von Investitionstätigkeit und Katastrophenhilfe werden wirtschaftliche Verluste durch das Beben ausgleichen“, meint Daniel Lan von Morgan Stanley, der an seiner Wachstumsprognose von 4,5 Prozent für Indonesien festhält. Die Tourismusgebiete des Landes wurden wie die Indiens von der Flut verschont und profitieren bereits von Reisenden, die den geplanten Urlaub in Thailand nach Bali oder Kerala umbuchen.

Für Thailand und Sri Lanka wird es entscheidend sein, wie zügig Ho-tels und Verkehrswege wieder aufgebaut werden und wie lange Urlauber dann fernbleiben. Im Fall von Thailand rechnet die DBS Bank da-mit, dass beides zügig geht. Langfristig werde die Katastrophe keine Auswirkungen haben auf dessen Tourismusindustrie, und die Wirtschaft des Landes sei robust genug, den erwarteten kleinen Rückgang des Wachstums im ersten Quartal zu verkraften. Das arme Sri Lanka ist deutlich härter betroffen. Der Vize-Zentralbankchef schraubte die Wachstumsprognose um einen halben Prozent-punkt auf 5,5 Prozent herunter. „Die ökonomischen Auswirkungen des Tsunamis sind beherrschbar“, meint aber auch W. A. Wijewardena, „die Lage ist nicht so düster wie manche fürchten.“

Lesen Sie mehr zum Thema im Handelsblatt am 4. Januar auf Seite 5

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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