Aufständische ziehen die Schlinge um Taylor und Monrovia enger
Zweitgrößte Stadt Liberias fällt an Rebellen

Die gegen Präsident Charles Taylor kämpfenden Model-Rebellen in Liberia haben am Montag die nach eigenen Angaben zweitgrößte Stadt des Landes Buchanan und den Hafen eingenommen. Da die LURD-Rebellen bereits den Hafen der Hauptstadt kontrollieren, wäre die Regierung Taylor damit nun vom Zugang zu den Häfen des Landes abgeschnitten.

Reuters MONROVIA. Die Regierung Taylor teilte mit, die Lage in der Hafenstadt Buchanan sei unklar. Ein Kommandeur der Armee sagte, die Rebellen hätten zwar die Stadt eingenommen, aber die Armee sammele sich draußen und plane die Rückeroberung.

Aus Militärkreisen verlautete, auch um die Ortschaft Gbarnga werde gekämpft. Die Stadt, einst Taylors Hochburg während des Bürgerkriegs in den 90er Jahren, liegt an der Straße, die die Hauptstadt mit den Nachbarn Elfenbeinküste und Guinea verbindet.

In der seit Tagen umkämpften Hauptstadt Monrovia hatten Regierungstruppen am Montag zunächst einen erneuten Vorstoß der Rebellen gestoppt.

Trotz der Beratungen der Vertreter westafrikanischer Staaten in Ghanas Hauptstadt Accra blieb weiter unklar, wann deren Soldaten für eine Friedenstruppe entsandt werden.

Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) hat angekündigt, eine Vorhut von 1500 nigerianischen Soldaten nach Monrovia schicken zu wollen. Auch die USA haben im Prinzip zugesagt, sich an einer internationalen Friedenstruppe für Liberia zu beteiligen, aber erst, wenn Taylor das Land verlassen hat. Dieser will jedoch wiederum erst zurücktreten, wenn die Friedenstruppe im Land ist.

In einem Interview mit der BBC in London bekräftigte der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo, die nigerianischen Soldaten stünden „bei Fuß“, aber Nigeria könne „die Sache nicht allein machen“. Nigeria erwarte finanziellen und logistischen Support. In London wollte Obasanjo mit Premierminister Tony Blair zusammentreffen. Vertreter des nigerianischen Militärs teilten mit, möglicherweise werde am Dienstag der Zeitplan für die Stationierung der Truppe bekannt, die voraussichtlich insgesamt 3000 Mann umfassen soll.

Die USA schickten unterdessen mit Walter Kansteiner einen Gesandten nach Westafrika, um über die Lage zu diskutieren.

Die Lage der Bevölkerung in Monrovia verschlechterte sich weiter. Die Menschen in der Hauptstadt stellten Eimer, Schalen und Tassen unter Blechdächer, um Regenwasser zum Trinken aufzufangen. Noch gebe es keine Berichte, dass Menschen verhungert seien, teilten Hilfsorganisationen mit. Der Hunger greife jedoch um sich.

Lurd und die Model-Gruppe kontrollieren zwei Drittel des Landes, das im 19. Jahrhundert von befreiten amerikanischen Sklaven gegründet wurde.

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