Aufstand der Frustrierten

Premier setzt 16.000 Polizisten ein

Drei Tage dauern die Unruhen in London nun schon. Premier Cameron will neue Krawalle nicht mehr hinnehmen. Ein massives Polizeiaufgebot soll die Chaoten in der Hauptstadt stoppen.
13 Kommentare

Flug über London nach Krawallen

LondonDie Zahl der Polizeibeamten in London werde von 6000 auf 16.000 erhöht, kündigte der britische Premierminister David Cameron am Dienstag nach einer Krisensitzung an. Während der Ausschreitungen kam erstmals ein Mensch ums Leben, Grund war offenbar ein Streit unter den Randalierern.

Cameron hatte seinen Italienurlaub abgebrochen, um am Dienstag eine Krisensitzung der Regierung zu leiten. „Wir werden alles Notwendige tun, um die Ordnung in den Straßen wiederherzustellen“, versicherte er. Für Donnerstag berief er eine Sondersitzung des Parlaments ein. Den meist jugendlichen Randalierern drohte Cameron harte Strafen an: „Wenn ihr alt genug seid, um diese Verbrechen zu begehen, dass seid ihr auch alt genug für eine Strafe.“

Nach zwei Nächten schwerer Krawalle hatte es am Montag weitere Ausschreitungen im Stadtteil Hackney gegeben, die sich in der Nacht zum Dienstag auf mehrere Stadtteile ausweiteten. Gebäude standen in Flammen, plündernde Jugendliche zogen durch die Straßen. Auch in Birmingham, Liverpool und Bristol kam es zu Randale.

Ein 26-Jähriger wurde am Montagabend laut Polizei im Londoner Stadtteil Croydon mit einer Schussverletzung gefunden. Am Dienstag erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen. Der Mann war nach Polizeiangaben mit Freunden nach Croydon gefahren, wo sie mit einer anderen Gruppe in Streit gerieten, der in eine Verfolgungsjagd mit drei Autos ausartete. Die Polizei ermittelt wegen Mordes.

Nach Angaben von Scotland Yard wurden seit Beginn der Gewalt allein in London 525 Menschen festgenommen, in Birmingham waren es in der Nacht zum Dienstag 138. Mindestens 44 Polizisten wurden in der Nacht insgesamt verletzt, an den vorherigen Abenden gab es bereits 35 verletzte Beamte. Laut Polizei ist derzeit allerdings nicht geplant, die Armee zur Verstärkung heranzuziehen.

Auslöser der Unruhen war der Tod eines Mannes, der am Donnerstag bei einem Polizeieinsatz im Stadtteil Tottenham erschossen worden war. Der vierfache Familienvater Mark Duggan wurde durch einen einzelnen Schuss in die Brust getötet, wie aus einer am Dienstag vorgestellten Untersuchung hervorgeht. Die Untersuchung der genauen Todesumstände dauerte an.

Wegen der anhaltenden Unruhen rieten Berlin und Rom ihren Staatsbürgern zu „besonderer Vorsicht“ bei Reisen nach Großbritannien. Der englische Fußballverband (FA) sagte unterdessen das für Mittwoch geplante Fußball-Freundschaftsspiel zwischen England und den Niederlanden im Londoner Wembley-Stadion ab. Die Unruhen ließen auch Fragen hinsichtlich der Sicherheit bei den 2012 in London anstehenden Olympischen Spielen aufkommen.

  • afp
Startseite

Mehr zu: Aufstand der Frustrierten - Cameron bringt 16.000 Polizisten in Stellung

13 Kommentare zu "Aufstand der Frustrierten: Cameron bringt 16.000 Polizisten in Stellung"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Lieber Blinse,

    ihre Einschätzung ist sicher ein wichtiger Punkt, wenn man die Ausmaße der Gewalt bedenkt. Viele Trittbrettfahrer wollen vielleicht einfach mal Randale machen.
    Ich sprach aber von den Ursachen. Niemals Ursachen, Gründe und Auslöser verwechseln.
    Die Kürzungen bei sozialen Leistungen sind enorm und sehr einschneidend. Keiner der Betroffenen hat einen Teil zu der Finanzkrise beigetragen, aber alle haben das Gefühl dafür büßen zu müssen. Wo sind die harten Maßnahmen bei Banken und Spekulanten? Wer Milliarden und Abermilliarden über Jahrzehnte mit Wetten verdient hat, kann doch für einen Teil des Schadens aufkommen, oder nicht?
    Vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Klientel dummdreist jetzt Geld mit Wetten gegen den Euro machen will.

  • Wir warten ab, bis es in Deutschland auch so rund geht. Dann hat das natürlich nichts zu tun, mit den korrupten Politikern die alle Länder retten wollen um möglichst viele Schmiergelder zu kassieren. Auf keinen Fall? Erinnern wir uns, wie es in der DDR zuging, wo man die Opposition mit einem Schmiergeldkoffer unter Kontrolle brachte. Was für ein Zufall das Merkel auch eine DDR Politikerin war…. Und dann wundere ich mich nur noch, warum es in Deutschland noch kein Chaos gibt. Erst beschließt man Sparmaßnahmen im Bundestag für die Hilfesuchenden Länder und dann nickt man alles ab…. Also auf die Straßen und protestieren gegen diese Korruption….

  • Komisch, als die kleinen Leute in Tunesien oder in Ägypten auf die Strasse gingen, hat Cameron mit Merkel, Sarko, Bunga-Silvio und Westerwelle gejubelt, wie sich das Volk gegen Tyranei wehrt. Jetzt wehren sich die untersten der Unterschicht gegen die Tyranei des Kapitalismus. Jetzt lacht keiner mehr in Europa und so gut ist es auch nicht mehr, wenn die Leute auf die Strasse gehen und ausrasten, weil sie es leid sind, immer wieder verarscht zu werden. Komisch nicht? Auch Cameron hat jetzt kein Verständis mehr -lässt aber noch Angriffe in Libyen fliegen. Was wäre, wenn jetzt Gaddaffi die Rebellen in England anerkennen würde und Downing Street bombardieren würde? Wenn 2 das gleiche tun ist eben doch nicht dasselbe.

  • Ich weiß, das ist die Sprachregelung der bürgerlichen "Qualitätsmedien", doch der auch von deutschen Innenministern gern verwendete Chaotenstempel greift Meilen zu kurz. Denn diese Randale ist eine Antwort. Eine Antwort an eine Politik der jahrzehntelangen Stigmatisierung von Ausländern und Armen, an eine hemmungslosen Oberschicht, deren Griff ins Tafelsiber (Bank of Scotlan usw.) ungeahndet bleibt, an Medien, deren Moral bereits vor der Randale in der Gosse gelandet ist. Das Personal der Elite in Großbritannien lebt ungeniert vor, wie frei von Skrupeln es sich mit der Macht lebt. Wer ohnmächtig in die Ecke gedrängt lebt, beißt irgendwann. Ziellos, vehemment.

  • man sollte diese Chaoten im Kurzprozess in ihre Heimat abschieben!!!

  • ...und Sarrazin hat doch Recht!
    Der groesste Teil der Asylanten und Migranten leben von der sozialen Haengematte. Wenn die Leistungen gekuerzt werden muss eben Randale gemacht werden.
    Wir importieren mit Multikulti ausser Doehner und Fladenbrot auch Gewalt und Kriminalitaet.
    West Europa schafft sich ab!!

  • Schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf die Anarchie, die uns bald auch in Deutschland erwarten wird, nachdem von Flachpfeifen wie Roessler und Merkel alles vermurkst wurde.

    Unfassbar, dass sich die Asozialen ueber Facebook und Twitter zu solchen Gewaltexzessen organisieren. Das ist doch der blanke Hohn. Jetzt werden die modernsten Erfindungen zur Konsum-Forcierung zum wichtigsten Kommunikations- und Orgainstrument der Autonomen und Anarchos.

  • Lieber Handelsblattleser,
    ich fürchte, die Wahrheit ist viel einfacher: Diesem Mob hat keiner in die Tasche gegriffen, die wollen nur kräftig Dampf ablassen und mal ein bißchen plündern. Viel mehr steckt da nicht dahinter.
    Offenbar traut sich kaum jemand, so etwas mal auszusprechen. Dieser Mob ist gelinde gesagt nicht das Beste, was England zu bieten hat. Ja, ich weiß, das ist menschenverachtend, aber besonders achten kann ich solche Herden auch nicht.
    Wenn man jetzt noch die sozialen oder sonstigen (Migrations-)Hintergründe untersucht, kommen natürlich auch die Versäumnisse der Politik ins Spiel. Deren Schuld, wenn sich solche Gettos bilden. Aber der Mob ist niemals völlig unschuldig!

  • Manche kommen aber deshalb, weil sie sich Chancengleichheit gewünscht haben und am Ende doch wieder nur die Verlierer sind. England ist die Vorschau auf die Zukunft. Wir haben es in Griechenland und in Spanien gesehen. Deutschland wird das gleiche Schicksal ereilen, weil die Politiker hier wie in der ganzen Welt die gleichen Fehler machen. Für Politiker sind die Menschen nur Steuerzahler. Dieses von Oben herabsehen, wird ihnen zum Verhängnis werden. Das Pack ist in der Überzahl. Ein Volk lässt sich nicht dauerhaft belügen. Merkel sollte es am Besten wissen. Als Privilegierte konnte sie bei Erich Honecker lernen, wie es endet. Aber Politiker sind immer zu weit weg vom Volk. Sie verstehen nichts und reden sich das Negative ins Positive. Sie zeigen, dass sie nichts in der Hand haben. Was das Volk schon lange erkannt hat, reden Politiker so lange schön, bis selbst sie die Wahrheit nicht mehr verleugnen können.

  • Stimmt, diese "armen" Menschen habend as nicht zu verantworten. Aber oft auch nicht, wenn sie Sozialhilfe bekommen.

    Nach den mir vorliegenden Informationen hat die Asylanten und Migranten keiner eingeladen. Letztendlich sind es GÄSTE, die eigentlich nur deshalb in die EU gekommen sind, weil sie dachte, hier gibt es für sie alles umsonst.

    shit happens

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%