Aufstand in Ägypten: Das verflixte 30. Jahr

Aufstand in Ägypten
Das verflixte 30. Jahr

Drei Jahrzehnte zitterte das Volk vor Ben Ali, Husni Mubarak und Ali Salih – jetzt zittern die Diktatoren vor ihrem Volk. In Ägypten greift Mohammad El-Baradei nach der Macht, im Jemen demonstrieren Zehntausende - in der arabischen Welt wird nichts mehr sein wie vorher.

DüsseldorfGlaubt man an die Bedeutung von Namen, ist Ägyptens Präsident Husni Mubarak "der Schöne Gesegnete". Die letzten drei Jahrzehnte stimmte das auch: Mubarak stand unangefochten an der Spitze der ägyptischen Staatspartei NDP. Doch davon kann inzwischen keine Rede mehr sein. Zwei Wochen nach dem Sturz von Tunesiens Diktator Ben Ali erschüttert eine Welle von Protesten die arabische Welt, von Tunis bis Sanaa ziehen Tausende Menschen durch die Straßen und fordern den Sturz ihrer korrupten Machthaber.

"Mubarak, dein Flugzeug wartet schon" riefen Demonstranten, nachdem Tunesiens Diktator Ben Ali sein Land Hals über Kopf zurückließ - mit 1,5 Tonnen Gold im Gepäck. Nun klingen ihre Worte wie Hellseherei: Der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Mohamed ElBaradei, hat den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak zum Rücktritt aufgefordert und sich nach Medienberichten für eine Übergangsregierung in Ägypten angeboten.

Der arabische TV-Sender Al-Arabija blendete am Donnerstag die Meldung ein: "ElBaradei: Bereit die Macht zu übernehmen, wenn die Straße es will." Es sei an der Zeit, dass Mubarak in den Ruhestand gehe, sagte der Reformpolitiker am Donnerstag. Der Friedensnobelpreisträger kündigte zugleich an, sich an den Protestaktionen in seinem Heimatland zu beteiligen.

El-Baradei erwartet für Freitag Großdemonstrationen in ganz Ägypten. Einige Protestgruppen forderten die Bürger auf, nach dem Freitagsgebet von den Moscheen aus loszumarschieren. "Wandel ist unvermeidbar", sagte der 68-Jährige vor seinem Abflug nach Kairo in Wien, wo er bislang lebt. Die Regierung müsse auf die Demonstranten hören, wenn sie eine weitere Eskalation der Gewalt verhindern wolle.

Nicht nur in Ägypten, auch im Jemen gibt es Massenproteste gegen die Regierung: Zehntausende Menschen forderten dort am Donnerstag den Sturz von Präsident Ali Abdullah Saleh - auch er regiert sein Land wie Mubarak und Ben Ali seit fast 32 Jahren. Die Demonstranten versammelten sich an vier verschiedenen Orten in der Hauptstadt Sanaa. Angeführt wurden die Proteste von Mitgliedern der Opposition und Jugendaktivisten.

Was bedeutet das alles für die arabische Welt? Fest steht, dass den Protesten in Ägypten eine Schlüsselrolle zukommt: Ägypten ist das größte arabische Land und prägt mit seiner Leitkultur den gesamten Nahen Osten. Im Herbst wird in Kairo ein neuer Präsident gewählt. Bisher rechnet man damit, dass entweder Mubarak selbst noch einmal kandidiert oder seinen Sohn Gamal als Nachfolger installiert. Das könnte sich mit den Protesten ändern.

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