Aufsteiger
Das „neue Goldrauschland“ Myanmar

Unter der täglich steigenden Zahlen von ausländischen Geschäftsleuten, Beratern und Glückssuchern, die nach Myanmar kommen, herrscht eine Art Goldgräberstimmung.
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„Für Myanmar gibt es keinen Weg zurück“. Eineinhalb Jahre nach Beginn der umfassendsten Reformen der jüngeren Geschichte der ehemaligen Militärdiktatur ist das die Meinung vieler Kommentatoren. Einige vergleichen die Maßnahmen mit einem Pfannkuchen. Es sei unmöglich, daraus wieder Eier zu machen.

Die von Präsident Thein Sein im März 2011 begonnen Schritte zur Demokratisierung sind zum Teil spektakulär: Die Freilassung von politischen Gefangenen, Parlamentswahlen, eine teilweise Lockerung der Medienzensur, die Öffnung der bis vor kurzem pseudo-kommunistischen Wirtschaft, die Freigabe der Währung und natürlich der jüngste Einzug von Aung San Suu Kyi den Einzug ins Parlament beeindruckten die Welt. Politiker von Berlin bis Moskau pilgern in die administrative Hauptstadt Naypyidaw, um Thein Sein die Hand zu schütteln. Jetzt hat sich auch der amerikanische Präsident Barack Obama angemeldet. Er hat als erste Auslandsdestination nach seiner Wiederwahl Myanmar gewählt, bekannt auch als Birma oder Burma.

„Man kann nur hoffen, dass dieser Besuch nicht als passive Gratulation für bisherige Reformen gesehen wird, sondern als Grund für weitere Reformen“, warnte jüngst Donald K. Emmerson, Direktor des South East Asia Forums der amerikanischen Stanford University. Einige Experten glauben, dass der Demokratisierungsprozess in Myanmar sehr wohl wieder rückgängig gemacht werden könnte. Emmerson erinnert daran, dass die „Tatmadaw“, das Militär, mit dem die früheren Machthaber die Nation ein Vierteljahrhundert lang unterjocht hatten, weiterhin eine entscheidende Rolle spielt.

„Die Verfassung gesteht der Armee ein Viertel der Sitze im Parlament zu“, erinnert er. Zwar zählten sich seit Beginn der Demokratisierungswelle zunehmend auch „Hardliner“ des früheren Regimes zu den Reformern. „Wenn die Stabilität des Landes aber unter ernsthaften Druck kommt, könnten solche Männer wieder zu ihrer harten Linie zurückkehren“, warnt der Akademiker.

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