Aufstieg des IS
Größte Terrormiliz der Welt – in nur zwei Jahren

Der IS breitet sich aus. Libyen ist das nächste Ziel. Nach zwei Jahren ist der Islamische Staat die größte Terrorgruppe der Welt. Die bestialischen Taten rufen Abscheu hervor, Islamisten jedoch ziehen sie an. Eine Bilanz.

Sie waren nur eine bizarre Filiale von al-Qaida in Irak und Syrien, noch vor zwei Jahren. Heute ist die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die mächtigste und reichste Terrororganisation der Welt mit eigenem Staatsgebiet und einer globalen Propaganda-Maschine, die Radikale auf allen Kontinenten mobilisiert.

In zahllosen Sprachen brüsten sich die Dschihadisten auf Twitter und Facebook mit Enthauptungen, Massenhinrichtungen und Kreuzigungen – eine bestialische Brutalität, zu der selbst ihre früheren al-Qaida-Chefs in Afghanistan auf Distanz gingen.

Die Henker schneiden Gefangenen vor laufender Kamera die Köpfe ab, überrollen ihre Opfer mit Panzern oder verbrennen sie bei lebendigem Leibe in Käfigen. Jesidische Frauen wurden zu tausenden verschleppt und als Sex-Sklavinnen an verdiente Kämpfer verkauft. Als „mittelalterlich-modernen Faschismus“ prangerte US-Außenminister John Kerry das Treiben der IS-Mörder an.

Anders als Vorgänger al-Qaida, versteht sich der IS als dschihadistisches Staatsprojekt, das mittlerweile über mehr als zehn Millionen Menschen herrscht. Neben spektakulären Geländegewinnen, standen jedoch auch empfindliche Niederlagen. Vor allem die Kurden nahmen den Dschihadisten nach Angaben der Militärexperten von IHS Jane's in den letzten zwölf Monaten rund 14 Prozent ihres Herrschaftsgebietes ab.

Nach heftigen Kämpfen mussten die Extremisten die wichtigen Grenzorte Kobane und Tel Abyad räumen, Ende November auch die strategisch wichtige Kleinstadt Sindschar, deren Überlandstraße die beiden mesopotamischen IS-Zentren Mosul und Raqqa verbindet. Weit weniger erfolgreich agierte bisher die irakische Armee. Sie konnte Tikrit befreien und die wichtige Raffinerie von Badschi zurückerobern, dafür gelang es den Gotteskriegern im Westen des Irak, große Teile der Anbar-Provinz mit den Städten Ramadi und Falludscha in ihre Gewalt zu bringen.

In Syrien schossen sie sich durch die Eroberung von Palmyra den Weg in Richtung Damaskus frei und legten die legendäre antike Ruinenstadt weitgehend in Trümmer. Einzig in Ramadi versuchen Bagdads Soldaten momentan eine Gegenoffensive. Den Außenbezirk Al-Tameem und den Campus der Anbar-Universität im Südwesten konnten sie zurückerobern und von dort unter heftigen Kämpfen in das Zentrum vordringen. Bis Ende des Jahres habe man die ganze Stadt wieder unter Kontrolle, brüsten sich Iraks Verteidigungsminister Khaled al-Obeidi und seine Generäle.

Ideologisch ist die Anziehungskraft des IS ungebrochen, so dass er sich parallel zu seinem Kalifats-Territorium in Syrien und Irak immer mehr zu einem globalen Terrorimperium entwickelt. In Paris massakrierten neun IS-Fanatiker in einer beispiellosen Attentatsserie 130 Menschen. Auch das Mörderpaar im kalifornischen San Bernardino, das 14 Leute erschoss, schwor auf seiner Facebook-Seite dem selbst ernannten Kalifen Abu Bakr Al-Baghdadi Gefolgschaft.

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