Auftakt zu vierwöchigen Parlamentswahlen
Libanesen hoffen auf politischen Neubeginn ohne Militärpräsenz

Unter den Augen von mehr als 100 Wahlbeobachtern der Europäischen Union und der Vereinten Nationen ist gestern die erste Runde der Parlamentswahl im Libanon über die Bühne gegangen. Laut Innenministerium gingen nur 28 Prozent der rund 420 000 wahlberechtigten Einwohner Beiruts an die Urnen, obwohl führende Kandidaten die Bürger zur Teilnahme aufgerufen hatten.

HB KAIRO. Die Abstimmung in der Hauptstadt bildete den Auftakt des sich über vier Sonntage hinziehenden Urnengangs, bei dem insgesamt drei Millionen Wahlberechtigte 128 Parlamentsabgeordnete wählen. Viele Libanesen sehen in den ersten allgemeinen Wahlen seit dem Ende der fast 30 Jahre langen Präsenz des syrischen Militärs in ihrem Land den Beginn einer neuen politische Ära. Die Truppen des Nachbarlandes waren im April nach Massenprotesten der libanesischen Bevölkerung abgezogen worden.

Symbolfigur für den Neuanfang ist Saad Hariri, der Sohn des im Februar ermordeten früheren Regierungschefs Rafik Hariri. Die libanesische Opposition machte Syrien für den Anschlag verantwortlich. Nach Fernsehberichten gewann Hariris Liste alle zehn noch zu vergebenden Mandate. Von den insgesamt 19 Sitzen für Beirut waren schon vor der Wahl neun an Hariris Liste gegangen, weil sich keine Gegenkandidaten gefunden hatten. Dem Wahlbündnis von Hariri haben sich auch Oppositionsführer Walid Dschumblatt und die radikalislamische Hisbollah angeschlossen.

Die Liste, die für den Abzug der Syrer gekämpft hatte, dürfte nach der Wahl die Mehrheit im 128-sitzigen Parlament haben. Die drei Millionen Wahlberechtigten sind zu 59 Prozent Muslime und zu 41 Prozent Christen der verschiedensten Konfessionen.

Viele Libanesen hatten das Gefühl, dass erstmals seit der Staatsgründung nationale Interessen die Oberhand über konfessionelle Machtkämpfe gewannen. Sie verbanden den Abzug der syrischen Truppen nach 29 Jahren und die Reduzierung des syrischen Einflusses auf die libanesische Politik mit der Hoffnung auf einen politischen Neuanfang. Doch je näher die Parlamentswahlen gerückt waren, umso mehr schien der Reformeifer der libanesischen Politiker zu verfliegen.

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