Auftragsmorde
In Moskau wächst die Angst

Der Tod eines Bankenmanagers in Moskau schlägt hohe Wellen. Es ist offenbar der dritte Auftragsmord innerhalb weniger Wochen. Unter den Bankern und Unternehmern der russischen Hauptstadt geht die Angst vor einer neuen Gewaltwelle um.

mbr/rob MÜNCHEN/MOSKAU. Der neue Auftragsmord in Moskau hat den zweiten Tag des Deutschlandbesuchs von Präsident Wladimir Putin überschattet. Ein Filialleiter der staatlichen russischen Außenhandelsbank VTB wurde am Vorabend durch Kopfschüsse niedergestreckt.

„Putins Plan, Stabilität in Russland zu schaffen, ist gescheitert“, sagte die führende Politologin Lilija Schewazowa dem Handelsblatt. Am Dienstag war die ermordete regierungskritische Journalistin Anna Politkowskaja beerdigt worden.

Unter Managern in Moskau wächst die Sorge, dass Auftragsmorde an Bankern, Unternehmern, Politikern und Journalisten wieder alltäglich werden. Dies war Mitte der 90er-Jahre unter Präsident Boris Jelzin der Fall, als riesige Vermögenswerte den Besitzer wechselten. „Es herrscht wieder eine Atmosphäre, in der alles möglich ist“, sagte der in Moskau tätige deutsche Fondsmanager Florian Fenner.

Investmentbanken wollen nun die Sicherheit ihrer Mitarbeiter in Russland überprüfen. Der Markt sei jedoch so wichtig, dass die Branche trotz der zunehmenden Gewaltkriminalität „ihr Geschäft in Russland auf Dauer ausbauen will“, sagten hochrangige Investmentbanker dem Handelsblatt.

Leonid Kondratjuk vom russischen Innenministerium rechnet damit, dass allein in diesem Jahr etwa 800 Auftragsmorde in Russland registriert würden. „Die Dunkelziffer ist doppelt oder dreimal so hoch. Ein russischer Unternehmer ergänzte, die Umverteilung von Eigentum und Besitz sei „wieder im vollen Gange“.

In jüngster Zeit wurden in Moskau mehrfach offenbar gezielt Morde im Zusammenhang mit der Arbeit der Opfer verübt. Erst im vergangenen Monat wurde die russische Finanzwelt durch den Mord an dem stellvertretenden Zentralbankchef Andrei Koslow erschüttert.

Bei Putins Treffen mit Bayerns Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) und führenden deutschen Wirtschaftsvertretern in München war der neue Auftragsmord offiziell kein Thema. Putin plädierte für eine engere deutsch-russische Kooperation in Zukunftstechnologien und Wissenschaft, um Russlands Wirtschaft zu modernisieren.

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