Auftritt vor den Top-Managern
Medwedjew gibt USA Schuld an Finanzkrise

Der Neue mit alter Rhetorik: Beim Antrittsbesuch in Berlin hatte sich Dmitri Medwedjew noch reichlich brav gezeigt. In seiner Heimatstadt St. Petersburg zog der neue russische Präsident dagegen ordentlich vom Leder. In seiner ersten wirtschaftspolitischen Rede vor internationalen Top-Managern schoss sich Medwedjew auf die Finanzinstitutionen und die schwächelnde Supermacht USA ein.

HB ST. PETERSBURG. Russlands Präsident machte die USA für die weltweite Finanzkrise verantwortlich und pries zugleich sein Land als neue Wirtschaftsmacht. Das miserable Risikomanagement der weltgrößten Banken und die aggressive Finanzpolitik der Vereinigten Staaten hätten nicht nur Unternehmen in die roten Zahlen geführt. "Die meisten Menschen auf diesem Planeten sind ärmer geworden", sagte Medwedjew auf dem größten russischen Wirtschaftsforum für internationale Investoren in St. Petersburg. Die Amerikaner hätten in der Finanzkrise versagt und zeigten gemeinsam mit anderen führenden Industrienationen einen "wachsenden nationalen Egoismus", polterte der 42-Jährige.

Der Tonfall kam den in Scharen angereisten Industriebossen bekannt vor. Ähnlich scharf hatte bereits Medwedjews Vorgänger Wladimir Putin im Vorjahr auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg das neue Selbstbewusstsein der Energie- und Rohstoffgroßmacht demonstriert. Medwedjew verzichtete allerdings auf die putinschen Drohgebärden. Doch auch so wurde klar, dass Russland international verstärkt die Spielregeln mitbestimmen will. Putin - nunmehr Regierungschef - blieb dem traditionellen Forum in diesem Jahr fern.

Zur Lösung der Finanzkrise bot der Präsident Russlands Hilfe an und schlug vor, noch in diesem Jahr eine internationale Finanzkonferenz mit Konzerchefs und Analysten auszurichten. "Russland ist jetzt ein Global Player", sagte Medwedew. Die USA könnten das Problem auf jeden Fall nicht alleine lösen. Es bestehe eine Kluft zwischen der führenden Rolle, die die USA in der Weltwirtschaft spielten, und der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Vereinigten Staaten. Dies sei einer der Hauptgründe für die gegenwärtige Krise. US-Handelsminister Carlos Gutierrez wies die Kritik in einer Rede auf dem gleichen Forum zurück. Die USA hätten ihre Politik noch nie auf einem "ökonomischen Egoismus" aufgebaut. Die Globalisierung sei im Interesse seines Landes.

Medwedew kündigte weiter an, in Kürze einen Aktionsplan zu verabschieden, um Russland zu einem globalen Finanzzentrum und den Rubel zu einer führenden Währung zu machen. Zugleich forderte er die über 80 auf dem Wirtschaftsforum anwesenden Vorstandschefs zu mehr Investitionen in Russland auf. Ziel sei der Aufstieg Russlands zur weltweit fünftgrößten Wirtschaft, sagte Medwedew. Im Gegenzug versprach er das russische Justizsystem zu reformieren, um unabhängige und moderne Gerichte zu garantieren.

Damit ging Medwedew auf einen der Hauptkritikpunkte ausländischer Investoren ein, die schon lange ein transparenteres Rechtssystem fordern. Auch riefen die Teilnehmer des Forums Medwedew auf, mehr Geld in die teils marode russische Infrastruktur zu investieren.

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